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NWZonline.de Nachrichten Panorama

China schottet mehr als 43 Millionen Menschen ab

25.01.2020

Wuhan /Peking So ein trauriges Neujahrsfest hat es in China schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit sind mehr als 43 Millionen Menschen in der Metropole Wuhan und umliegenden Städten praktisch von der Außenwelt abgeschottet. Das Militär ist im Einsatz. Der Nahverkehr, Flüge und Züge wurden gestoppt. Privatautos werden an Kontrollposten an den Stadträndern kon­trolliert und in vielen Fällen wieder zurückgeschickt. Geschlossen sind auch Kinos, Vergnügungsparks, Tempel und andere öffentliche Orte. Die USA kündigten am Freitag an, das Personal ihres Generalkonsulats und deren Familien aus Wuhan abzuziehen.

Wuhan gleicht seit der Abschottung am Donnerstag vielerorts einer Geisterstadt. Die Menschen trauen sich nicht vor die Tür, die Angst vor dem Virus ist groß. „Die Stimmung in der Familie ist sehr schlecht“, schildert Zhang Lin, Professorin an der Wuhan Universität, die ihre Eltern zu dem wichtigsten chinesischen Familienfest zu Besuch hat.

Die Krankenhäuser können den Ansturm der Kranken nicht bewältigen. Nun wird in Wuhan eine Spezialklinik mit Platz für 1000 Betten gebaut – in nur sechs Tagen. Am Freitag rückten Dutzende Bagger an und bereiteten das Gelände vor, bereits am 3. Februar soll die Klinik stehen.

Der Super-Spreader

Aber fehlende Räumlichkeiten sind nicht das einzige Problem: Viele Pfleger und Ärzte sind selbst erkrankt. Das wahre Ausmaß wird offenbar vertuscht. Offiziell ist nur von 15 Infektionen bei Krankenhauspersonal die Rede. Ein hoch ansteckender Patient, eine Art „Super-Spreader“, habe allein 14 Mitarbeiter angesteckt, wird berichtet.

Über Wochen waren Lungenkranke behandelt worden, ohne dass die Übertragung des neuartigen Virus von Mensch zu Mensch bekannt war. Ärzte, die namentlich nicht genannt werden wollen, berichten Hongkonger Journalisten, das wesentlich mehr angesteckt worden seien als offiziell zugegeben. In einem Krankenhaus sei ein ganzes Wohnheim für die Quarantäne angesteckter Mitarbeiter eingerichtet worden. „Es lassen sich infizierte Krankenhausmitarbeiter in fast allen größeren Krankenhäusern in Wuhan finden“, sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. Lungenkranke waren mit normalen Patienten im selben Zimmer, bekamen Besuch, wurden behandelt ohne jede Vorsichtsmaßnahme. „Viele medizinische Angestellte sind deswegen erkrankt“, wird ein weiterer Arzt zitiert.

Die Mega-Quarantäne

Die Zahl der Toten durch die Lungenkrankheit in China stieg am Freitag den chinesischen Behörden zufolge auf mehr als 25. Rund 900 Menschen hätten sich infiziert. Die Zahl der Erkrankten steigt täglich.

Es fehlt an Betten und an Tests, um Infizierte zu diagnostizieren. „Jetzt sind viele Krankenhäuser nicht mehr in der Lage, so viele Patienten unterzubringen“, berichtet ein Studienabsolvent in Wuhan. „Die Zahl der Kranken muss höher sein als offiziell berichtet“, ist der 21-Jährige überzeugt.

Vor die Tür geht er möglichst nicht. „Ich gehe nicht raus, wenn es nicht notwendig ist“, sagt der 21-Jährige. „Und wenn, trage ich Mundschutz, bleibe nicht zu lange draußen, wasche meine Hände häufig und passe auf Sauberkeit auf.“ Über die Versorgungslage in der abgeschotteten Stadt macht er sich keine allzu großen Sorgen. „Die Nahrungsmittelknappheit ist nicht so ernst, wie manche sagen.“

Trotzdem kam es in Wuhan zu Hamsterkäufen von Reis, Speiseöl oder Fertignudeln. Supermarktregale wurden leer gefegt. Es gab Klagen über explodierende Gemüsepreise. Gesichtsmasken sind vielerorts ausverkauft.

Wie lange die Millionenmetropolen in Zentralchina jetzt praktisch in Quarantäne genommen werden, ist unklar. Ohnehin dauert das Neujahrsfest zwei Wochen. Aber die Ferien können auch mal vier Wochen gehen. Einige Hundert Millionen Menschen sind zu ihren Familien in die Heimatorte gefahren. Gerade diese „größte jährliche Völkerwanderung“ dürfte das Virus erst so richtig im Land verbreitet haben.

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