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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Un-Konferenz Zur Katastrophenvorsorge: Zyklon „Pam“ als Warnung vor dem Klimachaos

16.03.2015

Sendai Vor dem Hintergrund der verheerenden Zerstörungen im südpazifischen Inselstaat Vanuatu durch den Zyklon „Pam“ verlangen die Vereinten Nationen deutlich größere Investitionen in die Katastrophenvorsorge. „Es ist nicht länger möglich, das Klimachaos zu ignorieren“, warnte die französische Entwicklungsministerin Annick Girardin am Sonntag bei der am Vortag begonnenen UN-Weltkonferenz zur Reduzierung der Risiken durch Naturkatastrophen in der japanischen Stadt Sendai.

„Der Klimawandel intensiviert die Risiken für Hunderte Millionen von Menschen“, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Auftakt der fünftägigen Konferenz. Girardin ergänzte, die Situation werde sich noch verschlimmern, sollte sich die internationale Gemeinschaft beim Weltklimagipfel Ende des Jahres in Paris nicht auf ein Nachfolgeregime für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase einigen.

Der Präsident des vom Zyklon „Pam“ verwüsteten Vanuatus, Baldwin Lonsdale, rief in Sendai zu verstärkter Hilfe auf. Naturkatastrophen könnten „Jahre der Entwicklung zunichtemachen“, warnte er. Gastgeber Japan kündigte an, über die nächsten vier Jahre hinweg vier Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) für das globale Krisenmanagement bereitstellen zu wollen.

Ziel der Konferenz ist ein neues UN-Rahmenwerk zur Risikoreduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Ein derzeitiger Aktionsplan namens Hyogo Framework for Action läuft in diesem Jahr aus.

Kritiker äußerten jedoch zum Auftakt Zweifel an der kommenden Vereinbarung in Sendai. Es sei zu befürchten, dass die Ärmsten nicht ausreichend geschützt werden, mahnte Michelle Higelin von der Hilfsorganisation ActionAid. Zyklon „Pam“ sei eine Warnung.

„Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute allgegenwärtig. Fluten, Überschwemmungen oder Dürren gefährden die Existenz und das Leben von Millionen von Menschen, verschärfen Armut und verhindern nachhaltige Entwicklung“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundesentwicklungsministerium, Thomas Silberhorn.

Katastrophenvorsorge zahle sich aus. „Jeder Euro, den wir in Frühwarnung und Prävention investieren, kann Menschenleben retten und spart bis zu vier Euro, die im Wiederaufbau nach Katastrophen investiert werden müssten.“ Das Ministerium will jährlich mindestens 15 Millionen Euro in das Katastrophenrisikomanagement seiner Partnerländer investieren.

Auf der Konferenz gehe es jedoch nicht darum, konkret festzulegen, wer wann wie viel Geld zur Verfügung stellt, sagte der Co-Leiter der deutschen Delegation, Christoph Strässer, der Deutschen Presse-Agentur in Sendai. Es gehe vielmehr um eine neue globale Strategie und Instrumente zur Risikoreduzierung. Die am schwersten betroffenen armen Länder würden ein „sehr deutliches Signal“ bekommen, „dass die Krisenvorsorge eine internationale Aufgabe ist.“

Nach UN-Angaben belaufen sich die wirtschaftlichen Verluste durch Katastrophen wie Stürme, Erdbeben, Tsunamis und Überschwemmungen jedes Jahr schon jetzt auf schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Dollar und dürften sich in Zukunft weiter erhöhen.

Japan wolle helfen, 40 000 Menschen in aller Welt in Katastrophenschutz- und Wiederaufbau-Maßnahmen auszubilden, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe vor den rund 6000 Delegierten aus mehr als 180 Ländern. Wichtig sei auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft, insbesondere der Frauen, bei der Ausarbeitung von Vorsorgemaßnahmen gegen Katastrophen.

90 Prozent der Opfer gäbe es in ärmeren Ländern, so Abe. Daher müsse es auch um nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Anpassungen an den Klimawandel gehen.

„Insbesondere in Entwicklungsländern unterminieren die Intensität und steigende Anzahl von Katastrophen häufig jahrzehntelange Entwicklungsbemühungen“, sagte Strässer. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die Naturkatastrophen von 200 auf 400 pro Jahr verdoppelt. Die Konferenz in Sendai ist der Auftakt zu einer Reihe globaler Weichenstellungen für die Klima- und Entwicklungspolitik in diesem Jahr, darunter der Weltklimagipfel in Paris.

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