Rastede - Erscheint in einem Satz das Wort „Eigentlich”, steckt automatisch ein „Aber” dahinter. Also: Eigentlich ist die Vielseitigkeit beim 66. Oldenburger Landesturnier ordentlich verlaufen. Aber.
Vor neun Jahren hatte der Oldenburger Reiter-Präsident Ludger Fischer einen Aufreger präsentiert: Rastede stufte die Vielseitigkeit nach sinkenden Starterzahlen von der Kategorie L auf A herunter. Fischers Ziel mit den reduzierten Anforderungen: „Wir wollen wieder meisterwürdige Felder haben!”
Heute steht fest: Würdig einer Oldenburger Meisterschaft ist nicht ein aufgeblasenes Starterfeld, sondern ein angemessenes Niveau. Eigentlich war ja Fischers vordergründige Idee durchaus hintergründig. Er wollte den Vereinen das Engagement in diesem Kernwettbewerb erleichtern. Doch jetzt bilanzierte sein Über-Nachfolger Michael George: „Das Projekt ist nicht gelungen.“
Nach der verschärften Maßgabe, nur platzierte Reiterinnen und Reiter zuzulassen, beendeten das Springen am Sonntagvormittag acht Paare in der Kategorie L und 15 in A. Futter für Bedenkenträger gegen die Disziplin als solche gibt das nicht her. Das Feld schrumpfte um die Hälfte nach Aufgaben, Verweigerungen und Verzichten.
„Medizinisch war alles in Ordnung”, stellt Turnierarzt Dr. Hans-Hermann Lagershausen (62) aus Berne heraus. Er hatte die Verfassung der Pferde nach dem Geländeritt überprüft: „Da schaut man nach Verletzungen”, sagt er, „oder nach Beeinträchtigungen im Bewegungsapparat, sprich Lahmheiten.“
Die überragende Johanna Wetjen (Ammerländer Reitclub) mit ihrem Wild West Charly brachte ihren hohen Vorsprung aus Dressur und Gelände überlegen nach Hause. Auch sie steht zur neuen Ausrichtung: „Das sollte man nicht wieder herunter schrauben.“ In der A-Klasse ging Tabea Meiners (RV Ganderkesee) mit Luc M ebenso fehlerlos wie Kira Meyer (Ammerland) mit Tullibards Knight of the Night. So wurde sie mit 50,60 Strafpunkten gegen 51,70 Juniorenmeisterin.
Zerbröselt ist der alte Massenstart-Plan wohl in der Vereinsarbeit. Nur Westerstede, Ganderkesee und Löningen können derzeit eine nachhaltige Ausbildung in der aufwendigen Disziplin leisten. Nur drei von sieben Mannschaften brachten drei Reiter in die Teamwertung ein: Ammerland II vor Ammerland I und Münsterland II.
„Wir werden die Rasteder Vielseitigkeit wohl Weser-Ems-weit öffnen”, plant Vielseitigkeits-Chef Uwe Meyer aus dem Ammerländer Lindern. Eigentlich schon mal eine gute Idee.
