Dortmund/Ganderkesee - Benjamin Winter war ein Versprechen für die Zukunft. Einer, der die Erfolgsserie der deutschen Vielseitigkeitsreiter fortsetzen würde. Sein größter Traum war es, mit seinem Pferd Ispo bei den Olympischen Spielen oder den Weltreiterspielen zu reiten.

Er war auf dem besten Weg, seinen Traum zu erfüllen, als sein Leben tragisch endete. Vor einem Jahr, am 14. Juni 2014, starb der 25-jährige Dortmunder nach einem Sturz mit Ispo beim Geländeritt des Turnier-Klassikers in Luhmühlen. Die Erschütterung über seinen Tod ist noch heute spürbar.

Als „liebenswerten Chaoten“ beschreibt Mutter Sybille Winter ihren Sohn: „Stets positiv und fröhlich“. Seine besten Freunde seien die Pferde gewesen. Seit der Tragödie versucht die 57-Jährige, im Sinne Benjamins weiterzumachen. „Man sollte so weiterleben, wie es derjenige getan hat, der gestorben ist. Auch wenn es nicht einfach ist“, sagt die Dressur-Ausbilderin.

Sie beteiligt sich in der Task Force des Reiter-Verbandes an der Sicherheitsdebatte, hat das Benjamin-Winter-Spendenkonto zur Verbesserung der medizinischen Versorgung bei Turnieren eingerichtet – und sie reitet. „Ben hätte es niemals geduldet, wenn wir gesagt hätten, wir leben nicht mehr. Er war ein Mensch, der nach vorne geguckt hat.“ Deshalb hatte sie vor einem Jahr einen Tag nach dem Unfall gebeten, das Turnier in Luhmühlen fortzusetzen.

Das bevorstehende Wochenende wird eine besonders große Belastung für sie, ihre Kinder Marius (30) und Laura (28) sowie Bens Lebensgefährtin Franca. Am Sonntag, dem Todestag, will Sybille Winter zum Grab gehen und „auf sein Wohl prosten“.

Wenige Tage später wird sie in Luhmühlen sein. Den Geländeritt schaut sie nicht an. So weit ist sie noch nicht. Dass Sandra Auffarth den mittlerweile elfjährigen Ispo reitet, war naheliegend. „Sandra und Ben waren sehr ähnlich in ihrer Reitweise, sie fühlten sich in die Pferde ein“, sagt Sybille Winter.

Seit November steht Ispo bei der Team-Olympiasiegerin in Ganderkesee (Kreis Oldenburg). Sie lässt sich mit ihm Zeit. Die ersten drei erfolgversprechenden Starts haben sie hinter sich.

An Heilig Abend überraschte Auffarth die Familie Winter und stand plötzlich vor der Tür – mit Ispo im Hänger. „Eine verrückte Nudel“, sagt Sybille Winter. Die Aktion zeigt, wie nahe sich Auffarth und ihr Sohn standen. Beide kannten sich aus ihrer Zeit im Perspektivkader. „Man konnte sich auf ihn verlassen und er war stets sehr hilfsbereit“, erinnert sich die 29-Jährige.

Nach dem Unfall startete Auffarth am Tag danach nicht mehr. In diesem Jahr hat die Doppel-Weltmeisterin Luhmühlen nicht in ihrer Turnierplanung, unabhängig von der Tragödie: „Aber es ist auch sonnenklar, dass es in diesem Jahr menschlich noch schwierig gewesen wäre zu starten.“