Rheinberg/Oldenburg - Schwerer Schlag für Isabell Werth: Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt kann ihre beiden besten Pferde nicht bei den Olympischen Spielen (5. bis 21. August) reiten und reagierte dementsprechend getroffen. Die 46-Jährige teilte am Dienstag mit, „dass vorläufig weder Bella Rose noch Don Johnson in den Turniersport zurückkehren können“. Das bedeutet für die Pferde das Aus für Rio de Janeiro. „Für mich ist das eine riesige Enttäuschung. Das trifft mich sehr“, kommentierte die fünfmalige Olympiasiegerin aus Rheinberg.

„Dass ihr das zusetzt, kann man verstehen“, sagte Equipe-Chef Klaus Roeser: „Das tut mir auch menschlich sehr leid.“ Nicht nur die Reiterin habe bei Olympia „große Dinge erwartet“. Don Johnson, der nach einer Verletzung „noch etwa drei bis vier Monate Zeit“ benötigt, war zuletzt Werths erfolgreichstes Pferd. Besonders große Hoffnungen setzte die erfahrene Reiterin aber in Bella Rose, mit der sie vor zwei Jahren bei der WM in Caen zum Mannschafts-Sieg geritten war und mit dem siebten WM-Gold einen Rekord aufgestellt hatte.

Die lange verletzte Stute „hat noch nicht wieder die notwendige Stabilität und Konstanz erreicht, die für den Turniersport notwendig sind“, erklärte Werth. Mit Bella Rose war sie zuletzt im November 2014 in Stuttgart geritten.

Werth will nun versuchen, sich mit Emilio oder Weihegold zu qualifizieren. Das seien „zwei großartige Pferde, die sich hoffentlich weiter so im Sport beweisen werden wie bei den vergangenen Turnieren“.

Besonders hofft Werth nun auf Weihegold. Die elfjährige Oldenburger Stute wurde bisher vor allem von ihrer Schülerin Beatrice Buchwald geritten – so zum Beispiel beim Oldenburger Agravis-Cup (ehemals Pferdetage) im vergangenen November, als das Paar beide großen Dressuren in der EWE-Arena gewann und bewies, dass Weihegold als Riesen-Talent gilt. Zweimal hat Werth die Stute schon selber geritten und bei den Weltcup-Turnieren in Amsterdam und Neumünster jeweils die Kür-Prüfungen gewonnen.

„An unseren sportlichen Zielen für Rio ändert sich deshalb nichts“, sagte indes Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. Das deutsche Dressur-Team soll nach dem zweiten Platz von London 2012 wieder Gold gewinnen. Zuvor hatten deutsche Teams seit 1976 bei jedem Olympia-Start Gold gewonnen – viermal gehörte Werth zur siegreichen Equipe.

Als heißeste deutsche Medaillengewinnerin im Einzel gilt nun mehr denn je Kristina Bröring-Sprehe. Die 29-jährige Dinklagerin befindet sich mit ihrem 15-jährigen Erfolgshengst Desperados weiterhin in überragender Form und wird das deutsche Team aller Voraussicht nach in Rio anführen. Bröring-Sprehe führt derzeit die Weltrangliste in der Dressur an.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion