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NWZonline.de Sport Pferdesport

Dritter Platz weckt Hoffnung für Einzel

14.08.2015

Aachen Das Lachen ließ sich Kristina Bröring-Sprehe nicht nehmen. Als die Dinklagerin mit ihrem Erfolgshengst Desperados bei der Reit-EM in Aachen ihre Kür am Donnerstagabend gerade beendet hatte, winkte die 28-Jährige ins Publikum – obwohl sie in diesem Moment genau gewusst haben wird, dass der Traum von der Titelverteidigung mit der deutschen Dressur-Equipe geplatzt war. Jessica von Bredow-Werndl auf Unee, Isabell Werth auf Don Johnson und Matthias Rath auf Totilas und eben Bröring-Sprehe gewannen hinter dem überraschenden neuen Europameister aus den Niederlanden (235,629 Punkte) und Großbritannien (234,229) Bronze mit 230,914 Zählern.

Die gute Vorstellung von Bröring-Sprehe, die in der Einzelwertung den dritten Platz belegte, reichte am Ende nicht mehr aus. Zu groß war der Rückstand schon für die deutsche Meisterin, die als Schlussreiterin mehr als 84 Prozentpunkte hätte holen müssen (sie bekam 79 743 Zähler), um Gold zu holen: „Ich habe vorher nicht gerechnet, sondern mich auf die Kür konzentriert. Ich habe versucht, alles zu geben. Es hat nicht ganz gereicht“, kommentierte Bröring-Sprehe.

Schon nach dem Ritt von Matthias Rath am Nachmittag mit Millionen-Pferd Totilas war der 23. Mannschafts-Titel für die Rekord-Europameister in weite Ferne gerückt. Unmittelbar nach seiner Vorstellung hatte Rath noch begeistert seinen mittlerweile 15 Jahre alten Hengst umarmt.

Doch die Richter werteten vor allem zur Überraschung des 31-Jährigen selbst den Ritt anders. „Ich war mit der Prüfung im Großen und Ganzen ganz zufrieden. Und dann kommen die Punkte... Das hat niemand verstanden“, klagte er. Mit 75,971 Prozentpunkten blieb die Benotung weit hinter den Erwartungen.

Die Wertungen der sieben Richter gingen von 80,100 bis runter auf 71,600 Prozentpunkte. Rath war zumindest nicht der einzige Reiter, der solche Unterschiede in seinen Noten erhielt. „Insgesamt ging es in den Wertungen rauf und runter. Das ist interessant. Da besteht Gesprächsbedarf“, forderte Bundestrainerin Monica Theodorescu.

Ungewöhnlich war auch, dass ausgerechnet bei Raths Ritt die für die Zuschauer sichtbare Live-Bewertung ausgefallen war. Zudem war Totilas offensichtlich nicht ganz fit – ein Start bei den Einzel-Entscheidungen ist noch offen. „Wir müssen warten, was morgen der Tierarzt sagt“, sagte Rath am Donnerstag.

„Heute und gestern waren die anderen beiden Nationen insgesamt besser“, meinte Rath. Die fünfmalige Olympiasiegerin Werth, die das Streichergebnis lieferte, ergänzte: „Es ist nicht optimal gelaufen. Das können wir uns nicht erlauben.“

Bröring-Sprehe und Desperados haben indes am Sonnabend im Grand Prix Special und Sonntag im Grand Prix Kür die Chance, sich auch in den Einzelwertungen eine Medaille zu sichern. Mit dem drittbesten Ergebnis untermauerte die 28-Jährige am Donnerstag ihre Rolle als Medaillenkandidatin. „Kristina hat mit Desperados reelle Chancen“, sagte Bundestrainerin Theodorescu. „Wir werden alles geben“, kündigte Bröring-Sprehe an.

Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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