FRANKFURT/MAIN - Nach wochenlangen Querelen hat Ann Kathrin Linsenhoff ihren Rücktritt als Vorstandsvorsitzende der Deutschen Sporthilfe erklärt und das Sozialwerk des deutschen Sports über Nacht in eine Führungskrise gestürzt. Gerade mal 14 Stunden nachdem ihr der Aufsichtsrat am Sonntagabend das Vertrauen ausgesprochen hatte, kündigte die 48-Jährige in einer Pressemitteilung ihren Rückzug „spätestens bis zum 31. März 2009“ an. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Die erst seit knapp zehn Monaten im Amt befindliche Linsenhoff reagierte mit ihrem freiwilligen Rückzug auf den seit Wochen schwelenden Streit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Wilhelm Gäb.

Das Verhältnis war zuletzt durch die Personalie Johannes B. Kerner belastet worden. Der Fernseh-Moderator ist vom Aufsichtsrat als Sporthilfe-Vizepräsident vorgesehen. Linsenhoff war nach eigener Meinung zu spät in diesen Prozess eingebunden worden und kritisierte jüngst, dass das „nicht sauber“ gelaufen sei. Doch der Aufsichtsrat stellte am Sonntagabend bei einer Krisensitzung klar, er habe das „Auswahl- und Berufungsrecht für die Mitglieder des Vorstands“.

Weiter hieß es noch: „In diesem Zusammenhang bedauern beide Seiten die Irritationen, die bei der zum Teil öffentlichen Diskussion um die Zuwahl von Kandidaten in den Vorstand aufgetreten sind. Der Vorwurf, der Aufsichtsrat habe in diesem Fall ,nicht sauber‘ gehandelt, ist unberechtigt.“

Die ehemalige Weltklasse-Reiterin Linsenhoff hatte Gäb zudem vorgeworfen, sich in ihre Arbeit einzumischen. Im Gegenzug war sie von ihrem Vorgänger wegen mangelnder Teamfähigkeit und eines möglichen Interessenkonfliktes durch ihre Arbeit für das Kinderhilfswerk Unicef kritisiert worden. „Diese Vorwürfe kann ich nicht verstehen. Darüber bin ich menschlich enttäuscht“, wies Linsenhoff die Anschuldigungen zurück.

Allerdings wollte auch Gäb nicht den Schwarzen Peter übernehmen. „Ich habe dem Aufsichtsrat nachgewiesen, dass ich in keinem einzigen Fall in ihre Kompetenzen eingegriffen habe“, sagte er.

In Linsenhoff verliert die Sporthilfe zum zweiten Mal binnen drei Jahren ihre Führungskraft, nachdem 2005 Hans-Ludwig Grüschow wegen der Schmiergeldaffäre des Ex-Sportchefs des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, zurückgetreten war. Damals übernahm der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler Gäb das Ruder.