Hamburg - Um Pulvermanns Grab und den Großen Wall machen viele Weltklasse-Springreiter einen Bogen. Der abenteuerliche Anachronismus mit Naturhindernissen ist ihnen zu gefährlich. Das 84. Spring- und Dressurderby im Hamburger Stadtteil Klein Flottbek beginnt an diesem Donnerstag (13.45 Uhr/NDR).

Dass fast alle Stars am Wochenende starten, liegt vor allem an der Global Champions Tour – der Millionen-Serie, die den Reitsport verändert hat. Die Hindernis-Klassiker des Derbys stehen beim Tour-Wettbewerb nicht auf dem Programm.

„Die Tour hat ganz klar einen riesigen Anteil daran, dass fast alle Stars kommen“ sagt Veranstalter Volker Wulff: „Der Hauptgrund ist das Preisgeld.“ Fast acht Millionen Euro werden auf den Turnieren der weltweiten Serie ausgeschüttet, die den besten 30 der Weltrangliste ein automatisches Startrecht sichert. 21 von ihnen nehmen in Hamburg teil, wo es am Sonnabend in den Prüfungen des Großen Preises um 389 000 Euro geht.

Das traditionelle Spring-Derby am Sonntag – der Höhepunkt für viele Zuschauer – ist mit 100 000 Euro Preisgeld dotiert.

Seit 2006 gibt es die Global Champions Tour, die von dem niederländischen Pferdehändler Jan Tops organisiert wird. Zwei Jahre war sie praktisch illegal und vom Weltverband FEI geächtet, ehe sie 2008 offiziell genehmigt wurde. In jenem Jahr kam die Serie auch nach Hamburg. Mit diesem geschickten Schachzug hat Wulff das traditionsreiche Turnier wohl vor dem schleichenden Ende bewahrt.

„Ich glaube, unsere Tour hat den Sport gewaltig geändert“, meint Tops, der vor allem in Deutschland zunächst misstrauisch beobachtet und anfangs gemieden wurde. „Nur die besten Paare starten bei uns. Das ist wie bei der Formel 1“, sagt er.

Die Global Champions Tour plant die laufende Saison mit 13 Etappen, darunter Monte Carlo, Shanghai und Doha. Fast alle Weltklasse-Reiter richten ihren Turnierplan danach aus – zum Leidwesen vieler Nationalmannschaftstrainer.

„Die Tour hat für die meisten Reiter enorme Bedeutung, darauf müssen wir uns einstellen“, sagt Bundestrainer Otto Becker. Dass zeitgleich zur deutschen Meisterschaft Anfang Juni in Balve die Tour-Etappe in London auf dem Programm steht, macht es für ihn nicht einfacher.