Rastede - 40,98 Sekunden: Als diese Zeit am Sonntagabend auf der Videowand im Rasteder Schlosspark aufblinkte, war klar, dass sie der Maßstab sein würde. Nach einem rasanten und fehlerlosen Ritt hatte Florian Meyer zu Hartum vom RV Oldenburger Münsterland im Stechen um den Großen Preis der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg auf seinem Pferd Toulonia die Lichtschranke mit einer Duftmarke passiert, an der sich seine Kontrahenten in der Folge die Zähne ausbeißen sollten. „Ich wusste, dass sie ein sehr schnelles Pferd ist und hatte mir durchaus Chancen ausgerechnet“, sagte der 39-jährige Sieger, der zum ersten Mal den Großen Preis in Rastede für sich entscheiden konnte.

Der Zweitplatzierte Hilmar Meyer vom RuR Schwarme war auf Cashgirl fast dreieinhalb Sekunden langsamer (44,27). Den dritten Platz sicherte sich beim 66. Oldenburger Landesturnier Christian Temme (RV Oldenburger Münsterland) aus Mühlen (Kreis Vechta) mit Copperfield. Er benötigte 42,74 Sekunden, leistete sich aber vier Strafpunkte.

Zweimal habe er die achtjährige Toulonia aus dem Hause von Paul Schockemöhle (Mühlen) in der Turnierwoche zuvor geritten, erklärte Meyer zu Hartum glücklich, beide Male habe sie einen sicheren Eindruck gemacht. „Da lag es an Reiterfehlern von mir, dass wir es nicht weiter nach vorne geschafft haben“, gab der Herforder zu.

Im Großen Preis stellte Meyer zu Hartum jene Fehler ab. Im ersten Umlauf des sehr anspruchsvollen und langen Parcours, den Hans Sattler aufgebaut hatte, schafften es nur fünf von 33 Startern, fehlerlos und in der Zeit zu bleiben. Mario Stevens, der in diesem Jahr insgesamt elf Titel in Rastede sammelte, hatte es schon vorher geahnt. Der Molberger mutmaßte, dass nur „sieben bis acht Reiter hier durchkommen werden“.

Ein wiederkehrendes Raunen der mehreren tausend Zuschauer – jedes Mal wenn eine Stange wieder gen Boden rauschte – markierte anschließend das Favoritensterben im Schlosspark. Nach und nach verabschiedeten sich die Siegaspiranten: Titelverteidiger Patrick Döller scheiterte am vorletzten Hindernis, Stevens und Rolf Moormann (Großenkneten) leisteten sich gleich zwei Abwürfe.

Besonders bitter war das Ausscheiden von Jan Wernke und der Schwedin Mathilda Karlsson. Beide scheiterten trotz fehlerlosen Ritts nur um wenige Zehntelsekunden an der Zeitvorgabe von 83 Sekunden. Für Karlsson gab es wenig später Trost: Die 29-Jährige gewann die zweite Auflage der Rasteder Prime-Time-Tour bestehend aus dem Rasteder Champion und dem Championat – beide Springen gewann Stevens – sowie dem Großen Preis. Karlsson sicherte sich dank Rang sieben am Sonntag den Titel, da Stevens in der letzten und entscheidenden Prime-Time-Prüfung nur Platz 20 belegte.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion