Garrel/Oldenburg - Wenn Lena Weifen-Rohde über die Paralympics von 2012 in London spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Die Spiele waren hervorragend organisiert. Die Teilnahme dort war ein Höhepunkt meiner Karriere“, sagt die Dressurreiterin, die ohne rechten Unterarm geboren wurde. Bei den Spielen vor vier Jahren belegte die Athletin (damals unter ihrem Mädchennamen Weifen) den achten Platz.
Bei den Paralympics in Rio de Janeiro, die am Mittwoch nächster Woche beginnen, ist die 27-Jährige nicht dabei. „Ende vergangenen Jahres erkrankte mein Pferd Don Turner. Erst seit vier Wochen kann ich wieder richtig mit ihm trainieren“, erzählt Weifen-Rohde, die für den Reit- und Fahrverein Bösel startet und in Garrel (jeweils Kreis Cloppenburg) lebt. Das Duo verpasste somit die nötigen Qualifikations-Turniere und Lehrgänge, die für einen Start in Brasilien nötig gewesen wären. „Anfangs war ich sehr enttäuscht. Ich hätte nach den tollen Erfahrungen von London gern noch einmal teilgenommen“, berichtet die Reiterin: „Ich habe versucht, ein Ersatzpferd zu bekommen. Das hat leider nicht geklappt. Nun freue ich mich, dass andere die Chance erhalten.“
Das ist in diesem Fall keine leere Phrase. Denn durch den Ausschluss des russischen Teams von den Paralympics – Hintergrund ist das flächendeckende Doping im Land – rückten in den vergangenen Tagen noch mehrere Athleten nach. Auch die Osnabrücker Dressurreiterin Carolin Schnarre (24), die für die Sportfreunde Lotte startet, ist nun dabei. „Das freut mich sehr für sie, wir sind gut miteinander befreundet“, sagt Weifen-Rohde.
Ihr selbst habe die Teilnahme 2012 einen Schub gegeben. „Danach bin ich bei Turnieren immer als ,Paralympics-Teilnehmerin‘ angekündigt worden“, erzählt Weifen-Rohde: „Da kamen plötzlich Kinder zu mir gelaufen und wollten ein Autogramm haben. Das war vorher nicht so.“
Das deutsche Team in Rio zählt 155 Mitglieder, darunter Schützin Elke Seeliger vom SV Etzhorn in Oldenburg. Nachdem es bei den Olympischen Spielen (5. bis 21. August) in Rio 306 Entscheidungen gegeben hatte, sind es bei den Paralympics sogar 528. Die höhere Zahl kommt zustande, da es in vielen Disziplinen mehrere Entscheidungen gibt. Die behinderten Sportlerinnen und Sportler sind in Schadensklassen (so der offizielle Begriff) eingeteilt. So werden einige Disziplinen mehrfach ausgetragen und je nach Schadensklasse mehrere Paralympics-Sieger in einem Wettbewerb ermittelt. So wird allein in der Leichtathletik 177-mal Gold vergeben, beim Schwimmen 152-mal.
Dass aus Rio zu hören ist, die Organisation der Paralympics sei nicht mit der von London zu vergleichen, nimmt Weifen-Rohde auch aus der Ferne nicht die Vorfreude: „Die Veranstalter werden dort alles tun, damit es schöne Spiele werden. Ich werde mir so viel wie möglich davon im Fernsehen anschauen – sofern etwas übertragen wird.“
