LAS VEGAS - Als Meredith Michaels-Beerbaum im Western-Style mit Cowboyhut und Pferdedecke zur Siegerehrung einritt, kannte der Jubel der 8000 Zuschauer in Las Vegas keine Grenzen. Mit der modischen Anspielung auf ihre alte Heimat traf die gebürtige Kalifornierin nach ihrem furiosen Triumph beim Weltcup-Finale der Springreiter den Nerv des Publikums.
„Ein Traum wurde wahr. Dieser Sieg in den USA bedeutet mir viel. Mein Vater ist vor vier Wochen gestorben. Auch ihm gilt der Erfolg“, sagte die 39-Jährige, die seit 1998 für Deutschland reitet. Die Europameisterin gewann mit Shutterfly beim Weltcup-Finale alle drei Prüfungen ohne Fehler, was ihr ein Preisgeld von 106 000 Euro einbrachte. Zweiter wurde McLain Ward auf Sapphire (USA) vor dem Niederländer Albert Zoer mit Oki Doki.
In der Stunde des Sieges galt der Dank Shutterfly. „Wir sind wie ein altes Ehepaar. Ich verstehe genau, was er will. Er ist schon 16 Jahre alt, reitet aber wie ein Neunjähriger“, sagte „MMB“. „Ich reite ihn noch, solange er will. Wenn er das Springen satt hat, bekommt er bei mir den wohlverdienten Ruhestand.“ „Das war sensationell. Sie hatte enormen Druck, weil sie sich keinen Abwurf erlauben durfte und blieb wieder ohne Fehler“, sagte Ludger Beerbaum über seine nervenstarke Schwägerin.
Der viermalige Olympiasieger aus Riesenbeck zeigte mit Coupe de Coeur ebenfalls eine starke Vorstellung und verbesserte sich in der Endabrechnung auf Rang sechs. Marcus Ehning (Borken) ritt mit Leconte auf Rang zehn, Marco Kutscher (Hörstel) fiel mit Cornet Obolensky auf Rang 27 etwas zurück.
„Wir können zufrieden sein. Drei Reiter unter den ersten Zehn ist eine gute Bilanz“, meinte Bundestrainer Otto Becker, dessen Premiere bei einem Weltturnier glückte. Vor Las Vegas hatte der 50-Jährige nur auf einen Podestplatz gehofft, zumal Beerbaum mit Coupe de Coeur und Ehning mit Leconte erst kurz zusammenarbeiten. Lars Nieberg (Homberg) war mit Lucie wegen zu großen Rückstandes im Finale nicht angetreten, Max Kühner (München) musste seine Teilnahme absagen, da sich sein Pferd Acantus verletzt hatte.
In der Geschichte des seit 1979 ausgetragenen Weltcup-Finals ist Michaels-Beerbaum die vierte Reiterin, die mit Siegen in allen Einzelprüfungen triumphierte.
