LAUSANNE - Der internationale Reitsport-Verband FEI hat sich vergaloppiert, die umstrittenen neuen Doping-Regeln werden jetzt doch gestoppt. Die FEI setzte am Freitag das entschärfte Reglement nach einem Beschluss des Vorstandes aus und lässt die Generalversammlung in einem Jahr neu abstimmen.

„Es war eine klare Notwendigkeit, das Thema neu zu diskutieren“, sagte FEI-Generalsekretär Alex McLin. Der FEI-Vorstand reagierte mit dieser Entscheidung auf den massiven Protest von großen Nationalverbänden und Veterinären. Ausschlaggebend war schließlich eine schriftliche Befragung der Mitglieder. Die ursprüngliche Zulassung einiger Mittel und Substanzen widerspricht in mehreren Ländern geltendem Recht.

Beispielloses Hin und Her

„Das ist erstmal schön“, kommentierte Soenke Lauterbach, der Generalsekretär des deutschen Verbandes FN. Er schränkte allerdings ein: „Es wäre schön, wenn diese Entscheidung auch wasserdicht wäre.“ Offen ist, ob der Vorstand der Internationalen Reiterlichen Vereinigung eine Entscheidung der Generalversammlung überhaupt kippen kann.

Die FEI lieferte ein beispielloses Hin und Her. Am 19. November war in Kopenhagen von den Mitgliedern mit knapper Mehrheit eine Liste mit Mitteln genehmigt worden, die in vielen Staaten gesetzlich verboten sind. Die Liste sollte zum Jahreswechsel gültig werden. Nach den ersten Protesten verschob der FEI-Vorstand die Einführung des kritisierten Regelwerks auf den 5. April. Nun ist die Liste mit den erlaubten Schmerzmitteln und Entzündungshemmern ganz gestoppt worden.

Möglicher WM-Boykott

Bekannte Veterinäre hatten in einem Offenen Brief an die FEI kritisiert, dass die neuen Regeln dazu führen, dass künftig kranke Pferde an den Start gehen können. Der deutsche Verband FN hatte sich ebenfalls deutlich gegen die neuen Regeln ausgesprochen. Er hatte sogar mit einem möglichen WM-Boykott und der Gründung eines neuen europäischen Verbandes gedroht.

ARD und ZDF hatten aufgrund der Zulassung von bisher verbotenen Mitteln die Verhandlungen über einen neuen Fernseh-Vertrag mit der FN unterbrochen. Prominente Springreiter wie Ludger Beerbaum und Rodrigo Pessoa hatten sich für die Liste ausgesprochen.