LONDON - Das war das i-Tüpfelchen auf dem i-Tüpfelchen. Sandra Auffarth gab sich nach ihrem großen Vielseitigkeits-Triumph bei den Olympischen Spielen in London ungewohnt euphorisch. Denn die Reiterin aus Ganderkesee gilt von jeher als ein Mensch der leisen Töne. Entsprechend ungewohnt war für sie der Interview-Marathon, den sie am Dienstag zu absolvieren hatte. Doch die 25-Jährige wird sich an ihre gestiegene Popularität gewöhnen müssen nach Mannschafts-Gold und Einzel-Bronze gehört sie nun zur Riege jener deutschen Reiter, die in den vergangenen Jahren den Pferdesport bei Olympia dominiert haben.
So siegten die Vielseitigkeitsreiter bereits 2008 als Mannschaft in Hongkong, Hinrich Romeike holte Einzelgold. 2004 in Athen verlor die Mannschaft nach einem Juryentscheid den Sieg, weil Bettina Hoy zu früh die Startlinie touchiert hatte. In der Dressur ist die deutsche Mannschaft seit Olympia 1972 ungeschlagen. Im Springreiten stehen Namen wie Hans-Günter Winkler oder Ludger Beerbaum für goldene Olympia-Momente.
Wir haben einfach eine sehr gute Pferdezucht in Deutschland. In der Dressur und im Springen haben wir die besten Pferde, und im Gelände haben wir aufgeholt, erklärt Horst Karsten (76) die deutsche Dominanz. Der Delmenhorster, vierfacher Olympia-Teilnehmer und zweifacher Bronzegewinner mit der Mannschaft, hatte Auffarths Erfolg vor dem Fernsehgerät miterlebt. Das war ganz toll. Besser geht es nicht.
Persönlich gratulieren konnte er seiner Vereinskollegin vom RV Ganderkesee aber noch nicht. Ich habe es natürlich versucht, aber sie hatte ihr Handy ausgeschaltet. Dafür erreichte Karsten Bundestrainer Hans Melzer. Er hat Sandra meine Glückwünsche ausgerichtet.
Besonders angetan zeigte sich Karsten, der von 1986 bis 2000 selbst Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter war, von der Nervenstärke Auffarths, die beim Springen in beiden Umläufen ohne Fehler geblieben war. Wie sie bei diesem Druck so cool geblieben ist, war einmalig. Überragend.
Gelassen gab sich Sandra Auffarth auch am späten Dienstagabend bei ihrem TV-Auftritt im Olympia-Studio der ARD. Auf die Frage von Moderator Gerhard Delling, wie sie sich vor dem entscheidenden Ritt gefühlt habe, antwortete sie: Ganz entspannt. Die 25-Jährige sagte dies lächelnd und mit leiser Stimme typisch Auffarth eben.
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