Aachen - Eine der schillerndsten Karrieren im Dressursport ist beendet. Vier Tage nach dem Aus bei der EM in Aachen wurde der längst überfällige Schritt vollzogen und das Karriere-Ende von Totilas offiziell bekanntgegeben. Das Leiden hat damit eine Ende, das mit großem Hype vermarktete Pferd darf endgültig auf die Weide und wird vielleicht noch in der Zucht eingesetzt.

Das teuerste Dressurpferd der Welt war besonders verletzungsanfällig, fiel seit dem Wechsel 2010 aus den Niederlanden nach Deutschland immer wieder aus. Nun gab die Besitzergemeinschaft aus der Familie Linsenhoff-Rath und Paul Schockemöhle am Dienstag das Ende bekannt. „Seine Verletzung wird auf dem Schafhof in Ruhe ausheilen und ihm dabei einen sanften Übergang in den sportlichen Ruhestand bescheren“, hieß es in einer Mitteilung.

„Die Entscheidung ist der Familie gewiss schwer gefallen, aber wir halten diesen Schritt für klug“, sagte Verbands-Sportchef Dennis Peiler: „Leider stand die sportliche Karriere von Rath und Totilas von Beginn an unter keinem glücklichen Stern.“

Kristina Bröring-Sprehe, sagte, dass es sicherlich „traurig für Matthias“ sei. Die 28-jährige Dinklagerin, die noch in der vergangenen Woche auf ihrem Hengst Desperados gemeinsam mit dem Paar Rath/Totilas Bronze im Teamwettbewerb bei der EM gewonnen hatte, betonte aber auch: „Matthias hat bestimmt die für Totilas richtige Entscheidung getroffen.“

Paul Schockemöhle und Raths Stiefmutter Ann-Kathrin Linsenhoff hatten den Hengst 2010 für geschätzte zehn Millionen Euro aus den Niederlanden geholt. Zuvor hatte Totilas mit Edward Gal dreimal Gold bei den Weltmeisterschaften in den USA gewonnen und mehrere Weltrekorde aufgestellt.

Mit großen Hoffnungen wurde das Pferd im Herbst vor fünf Jahren in Mühlen auf dem Hof von Schockemöhle präsentiert. Pferdebesitzer und Reiter hofften auf ähnlich viele Medaillen wie unter dem niederländischen Ausbilder.

Diese Erfolge konnte Rath mit dem Pferd allerdings nicht erzielen. Ein internationaler Titel blieb verwehrt. Nur bei der EM 2011 und 2015 startete das Duo für Deutschland. In der fünfjährigen Partnerschaft war das Pferd sehr häufig verletzt, so dass lediglich Titel bei den deutschen Meisterschaften und Siege beim CHIO in die Erfolgsbilanz einflossen.

Angesichts des Preises und des Marketing-Aufwandes ist das eine klägliche Ausbeute. Tassen und Shirts wurden mit dem klangvollen Namen bedruckt, bevor es einen großen Erfolg geben konnte.

Bei der EM in Aachen wurde das Pferd am Freitag wegen eines Knochenödems zurückgezogen. Dass Totilas überhaupt an den Start ging, wurde heftig kritisiert. In der Hoffnung auf Gold wurde Totilas ins Viereck geschickt, das gewagte Experiment scheiterte.

Angesichts des Ablaufs war klar, dass Totilas auch im Falle einer Genesung kein Kandidat für Olympia 2016 in Rio werden könnte. Das dürfte der entscheidende Grund gewesen sein, das kostspielige Experiment zu beenden. Etwas Geld lässt sich mit Totilas aber noch verdienen. „Soweit möglich wird er weiter als Deckhengst über die Hengststation Schockemöhle für die Zucht zur Verfügung stehen“, teilten die Besitzer mit.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion