Ganderkesee/Luhmühlen - Der Schock nach dem tödlichen Sturz von Benjamin Winter sitzt immer noch tief, gleichwohl müssen sich Deutschlands Vielseitigkeitsreiter nach dem tragischen Unfall von Luhmühlen eine Reihe unangenehmer Fragen gefallen lassen. Kritik kam auch aus Hannover: So äußerte am Montag Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius sein Befremden darüber, dass das Turnier in Luhmühlen am Wochenende fortgesetzt worden war. „Ich hätte mir vorstellen können, dass man die Veranstaltung abbricht, statt nach dem Tod eines 25-Jährigen zur Tagesordnung überzugehen“, erklärte Pistorius. Den Angehörigen sprach er sein Beileid aus. Der Dortmunder Winter war am Sonnabend beim Geländeritt der Vier-Sterne-Prüfung mit seinem zehn Jahre alten Wallach Ispo schwer gestürzt. Obwohl er sofort in die Notfallklinik Boberg nach Hamburg transportiert wurde, starb er an den Folgen seiner Verletzungen. Reiter und Veranstalter hatten sich in Absprache mit Winters Familie dafür ausgesprochen, das Turnier fortzusetzen.

Der Weltverband FEI hat Ermittlungen aufgenommen. Derweil hofft Bundestrainer Hans Melzer, dass das Turnier in der jetzigen Form weitergeführt werden kann. Auch wünsche er sich, so der 63-Jährige, dass das Ansehen der einzigen deutschen Vier-Sterne-Prüfung nicht zu sehr leidet. Unterstützung erfährt Melzer dabei auch durch Bärbel Auffarth, langjährige Vorsitzende des Delmenhorster Reitverbandes und Mutter von Team-Olympiasiegerin Sandra Auffarth. „Man sollte jetzt keine falschen Schlüsse ziehen und eine ganze Sportart in Frage stellen“, sagte Bärbel Auffarth. Die Ganderkeseerin betonte noch einmal: „Jeder Sturz im Vielseitigkeitsreiten wird aufgearbeitet und analysiert.“ Zudem sei schon viel passiert, um die Sicherheit zu erhöhen.

Dennoch sei es jetzt sehr schwer, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Sandra Auffarth, die in Luhmühlen nach dem Unfall von Benjamin Winter nicht mehr im Gelände und Springen startete, war auch am Montag nach Angaben ihrer Mutter noch „total geschockt“ und wollte sich auch zu dem Unfall nicht äußern, zu gut war die 27-Jährige mit dem Verunglückten bekannt. „So etwas steckt man nicht so einfach weg“, sagte Bärbel Auffarth.

Der Deutsche Tierschutzbund indes kritisierte die Sportart: „Die Wettkämpfe in der Disziplin Vielseitigkeit sind für die Pferde eine Tortur, unübersichtliche, feste, gefährliche Hindernisse und Streckenführung führen zu einer Überforderung von Pferd und Reiter. Der Ehrgeiz der Reiter steht über dem Wohlbefinden von Mensch und Tier, und das kritisieren wir“, teilte der Verein mit.

Michael Hiller
Michael Hiller Redaktion Wildeshausen (Lokalsport)