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NWZonline.de Sport Pferdesport

Montreal 1976: Mit Blitz und Donner zum Olympiasieg

04.08.2016

Oldenburg /Mühlen Die Dramatik des Tages passte irgendwie ins Bild. Gewaltiges kündigte sich an. Blitz und Donner begleiteten Alwin Schockemöhle an diesem unvergessenen Dienstagnachmittag im kanadischen Bromont, als der amtierende Europameister im Springreiten vor 40 Jahren mit seinem zehnjährigen Hannoveraner Wallach Warwick Rex in den Olympia-Parcours drängte. Zwei Ordner, die den Athleten aus Mühlen (Kreis Vechta) noch aufhalten wollten, konnten nur geistesgegenwärtig zur Seite springen. Alwin Schockemöhle zeigte nur nach oben, wo Gewitterwolken den Himmel schwarz gefärbt hatten – und ritt los. „Mein einziger Gedanke war, dass ich durchkommen musste, bevor der Regen kam“, erzählte der heute 79-Jährige später immer wieder.

Der Rest am 27. Juli 1976 ist Geschichte: Mit zwei Null-Fehler-Ritten sicherte sich Alwin Schockemöhle bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal die Einzel-Goldmedaille. Nach 20 Jahren im Spitzensport mit allen Höhen und Tiefen jeder Schattierung vergoldete der damals 39-jährige Reiter seine beispiellose Karriere. Schon 1960 in Rom war er Olympiasieger mit der deutschen Equipe geworden, auf den Gewinn eines internationalen Championatstitels aber musste Schockemöhle zwei Jahrzehnte lang warten.

Wolkenbruchartige Regengüsse hatten den Springplatz im olympischen Reiterdorf Bromont vor den Toren Montreals über Nacht in eine Seenlandschaft verwandelt. Schockemöhle, der in den Jahren zuvor bei den entscheidenden Wettbewerben so oft Pech gehabt hatte, ritt konzentriert, und sein brauner Wallach war auf den Punkt fit. „Warwick sprang so hoch, dass ich teilweise Mühe hatte, oben zu bleiben“, meinte der Olympiasieger später.

Kein anderes Paar hatte so souverän die Nerven behalten und war in den zwei Runden ohne Abwurf geblieben. Zu den ersten Gratulanten zählte kein Geringerer als der damals 50-jährige Altmeister Hans Günter Winkler, Einzel-Olympiasieger von 1956 in Stockholm, der nach dem ersten Umlauf selbst noch Medaillenchancen hatte, sich in der zweiten Runde allerdings 16 Fehlerpunkte einhandelte.

Alwins jüngster Bruder Paul (damals 31), der in den Folgejahren ebenfalls eine brillante Karriere hinlegte, räumte in der Einzelentscheidung mächtig ab und kassierte insgesamt 24 Fehlerpunkte. Fünf Tage später sah die Welt für Paul aber schon wieder freundlicher aus. Zusammen mit Bruder Alwin, Winkler und Sönke Sönksen (38) ritt die deutsche Equipe im Nationenpreis zur Silbermedaille. Olympiasieger Frankreich hatte einen Abwurf weniger zu verzeichnen.

Dass Alwin Schockemöhle überhaupt in Montreal seinen „Braunen“ Warwick Rex sattelte, hatten Deutschlands Reiter dem im Jahr 2000 verstorbenen Werner Schockemöhle zu verdanken. Denn erst die Überredungskünste des damals 36-jährigen Bruders stimmten Alwin um. Nach dem Beschluss des Springausschusses der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN in Warendorf sollte Alwin bei Olympia 1976 ursprünglich nur im Mannschaftswettbewerb reiten. Der spätere Olympiasieger und amtierende Europameister empfand dies als Kränkung und weigerte sich lange an den Spielen teilzunehmen.

Im Mai 1977 schließlich erklärte Alwin Schockemöhle seinen Rücktritt vom aktiven Sport. Der viermalige deutsche Meister, der für Deutschland 58-mal im Nationenpreis (24 Siege) gesattelt hatte und zwischen 1957 und 1976 in 58 Großen Preisen siegreich gewesen war, blieb dem Pferdesport auch über das Karriereende hinaus auf das Engste verbunden. „Lieber jetzt abtreten, ehe man über mich lacht“, begründete er seinen Entschluss. Später reiften unter seiner Anleitung junge Reiter wie Franke Sloothaak oder Ulrich Kirchhoff zu internationalen Spitzenleuten. Ein anderer Schüler, Gerd Wiltfang, wurde 1978 sogar Weltmeister im Springreiten.

Die anhaltenden Rückenprobleme, die sich vor allem nach einem schweren Sturz 1969 verschlechtert hatten, machten eine Fortsetzung der Karriere letztendlich unmöglich. Der Sport und seine zahlreichen Verletzungen haben ihre Spuren hinterlassen. „Wenn ich zaubern könnte, würde ich ihm eine bessere Gesundheit schenken“, sagte sein Bruder Paul anlässlich des 70. Geburtstages von Alwin. Dementsprechend eingeschränkt ist der Pferdesportfachmann auch hinsichtlich seiner Freizeitaktivitäten.

Schockemöhle fungierte nach dem Karriereende kurze Zeit als Funktionär im Springausschuss der FN und als Equipe-Chef, ehe er ab den frühen 1980er Jahren das Metier wechselte und sich dem Trabrennsport zuwandte. Auch hier war der Ex-Reiter äußerst erfolgreich, seine Pferde feierten zahlreiche große Siege, unter anderem beim traditionsreichen Prix d’Amerique in Paris-Vincennes. Die Namen der Spitzentraber Diamond Way, Campo Ass oder Abano As bleiben immer mit dem Gestüt Alwin Schockemöhle verbunden. Ganz egal, ob es donnert oder blitzt.

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Otto-Ulrich Bals Autor
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