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NWZonline.de Sport Pferdesport

Geburtstag: Mit einem Pony fing alles an

23.07.2016

Warendorf Mit Micky fing alles an. Das war 1934, Hans Günter Winkler war acht Jahre alt, und sein schwarz-weißes Pony biss ihn immer wieder aus dem Stall. Damals hat „HGW“ – wie er in der Reiterszene nur genannt wird – die Grundlagen für das gelegt, was ihn viele Jahre später zum Star machte: „Ich habe meine Pferde immer mit Köpfchen überzeugt, sie waren meine Partner, nicht meine Diener.“ An diesem Sonntag wird Deutschlands Springreiter-Legende 90 Jahre alt.

Wenige Tage zuvor sitzt Winkler auf seinem Anwesen, dem Birkenhof in Warendorf, in einem tiefen, weichen Sessel, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, mit hellwachem Blick und einem leisen Lächeln um die Lippen. Er begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit einer Sportart, die er mehr geprägt hat als jeder andere vor und nach ihm. Seine Eltern spielen in dieser Vergangenheit eine große Rolle, der hochverehrte Vater, der im Krieg fiel, und die Mutter, für die „HGW“ bis heute „eine tiefe Dankbarkeit“ empfindet.

Mit fünf Goldmedaillen (zwischen 1956 und 1976) ist er weltweit der erfolgreichste Springreiter der Olympia-Geschichte. Winkler wollte immer nur eines: „Für Deutschland reiten.“ Das Reiten war damals eine sehr elitäre Angelegenheit, aber er, der Sohn eines Reitlehrers, hatte allen anderen etwas voraus. Er war mit Pferden groß geworden, und er konnte sie alle reiten. Diese Kunde drang bis zum Oberlandstallmeister Gustav Rau durch, der den 24-jährigen Winkler 1950 zum Lehrgang des Deutschen Olympiade-Komitees nach Warendorf bestellte.

Winkler hatte nichts, aber er konnte im Sattel alles, und deshalb durfte er bleiben. „Ich wusste“, sagt er, und die Lachfältchen um die Augen werden tiefer, „wie man aus vier Beinen und einem bockigen Kopf einen Athleten macht.“

Und dann kam Halla. Geboren 1945, Mutter ein Wehrmachts-Beutepferd aus Frankreich, Vater ein deutscher Trakehnerhengst. Die Stute stand bei einem Bauern auf der Weide, allein unter Kühen, sie war phlegmatisch und galt als absolut unreitbar. Erfolglos getestet in der Dressur und in der Military, war ihre Karriere im Sport eigentlich schon beendet.

Der Rest ist Legende, deutsche und olympische Sportgeschichte. Alles kam an diesem 17. Juni 1956 zusammen, bei den Reiterspielen von Stockholm. Nationenpreis, erster Umlauf, bei der Landung nach dem letzten der 13 Hindernisse schreit Winkler auf, ein Muskel in der linken Leiste ist gerissen, die Schmerzen rauben ihm fast den Verstand.

Aber der zweite Umlauf steht an, es geht um Olympiagold für Deutschland, und deshalb ist es für Winkler keine Frage, ob er reitet. Er lässt sich in den Sattel heben, Medikamente und eine ganze Kanne Kaffee haben sein Bewusstsein vernebelt, doch Halla weiß, was zu tun ist. Unbeeindruckt trägt sie ihren Reiter über die Hindernisse, fehlerfrei, ohne Zögern. „Als ich sie brauchte, war sie für mich da“, sagt Winkler: „Aber ich war auch immer für sie da.“ Das Pferd des Mannes, der „keine Angst vor dem Tod“ hat, wird wie sein Reiter für immer einzigartig bleiben.

In Deutschland darf seit dem Tod der Stute 1979 kein Turnierpferd mehr auf den Namen Halla eingetragen werden.

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