MüNSTER - Den schwersten Kampf seines Lebens bestritt Hendrik Snoek abseits vom Reitparcours. 1976 wurde der damals 28-jährige Springreiter entführt. 50 Stunden befand sich der Spross einer Unternehmer-Dynastie in der Hand von Entführern. Die Täter erpressten ein Lösegeld von fünf Millionen Mark. Snoek kam frei.
Ein Teil des Lösegeld wurde später gefunden, die Täter gefasst. „Ich habe 1976 meine Unbefangenheit verloren, bin misstrauischer geworden“, sagte Snoek später. Der Sohn aus vermögendem Hause, dessen Vater eine Warenhauskette besaß, wurde in einem Schacht unter einer Autobahnbrücke bei Herborn versteckt und mit einer Kette um den Hals festgehalten. Eine Zeit voller Todesangst, die Snoek gut verarbeiten konnte und deshalb anschließend in Beruf und Sport erfolgreich blieb.
An diesem Mittwoch wird Hendrik Snoek 60 Jahre alt, Gelegenheit für eine Auszeit. „Wir fliegen nach Thailand und feiern dort im Familienkreis. Das ist genau der richtige Rahmen“, sagte er. Mit seiner Frau und drei der fünf gemeinsamen Kinder feiert er auf einer Urlaubsinsel.
Der Ruf nach Erholung überrascht nicht. Für den Geschäftsführer einer Großhandelsfirma sind Zwölf-Stunden-Tage keine Seltenheit. Der gebürtige Münsteraner verwaltet einen Milliarden-Umsatz und kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Dazu kommen Ehrenämter. Als Gründer des „Turniers der Sieger“ hat er sich auch als Veranstalter einen Namen gemacht. Bis 1989 gehörte Snoek zu den besten deutschen Springreitern.
1975 wurde er in München auf Rasputin Team-Europameister, zwei Jahre später in Berlin auf Gaylord deutscher Meister. Für Deutschland bestritt er 36 Nationenpreise. Seinen größten Erfolg errang der gelernte Kaufmann nach eigener Einschätzung im Alter von 20 Jahren. „1968 kam ich zum CHIO nach Aachen und gewann. Ein unvergesslicher Moment“.
Anders als Weggefährten wie die Brüder Alwin und Paul Schockemöhle konnte sich der Ökonom erst nach der Büroarbeit mit den Vierbeinern beschäftigen. Vielleicht blieb ihm deshalb auch bei Olympischen Spielen ein Erfolg verwehrt.
„Er ist ein geradliniger Mensch“, sagt Kurt Gravemeier über seinen „Chef“. Der Bundestrainer der Springreiter ist seit vielen Jahren auf Gut Berl bei Sendenhorst angestellt und arbeitet mit den 70 Pferden von Snoek. „Ohne solche Gönner wie Hendrik Snoek hätte unser Sport erheblich größere Probleme“, sagt Gravemeier.
