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NWZonline.de Sport Pferdesport

Auf Lehrjahr sollen neue Großtaten folgen

02.11.2019

Oldenburg Der junge Mann stutzte kurz. Auf die Frage, ob er sich eben mit dem Maskottchen des Agravis-Cup fotografieren lässt, antworte der 23-jährige Reitersmann mit einer launigen Gegenfrage: „Wer steckt da drin in dem Pferde-Kostüm?“ Als sich mit Delia flugs ein Mädel zu erkennen gab, war die Sache geritzt, das Bild im Handy-Speicher, und Guido Klatte junior hatte die Lacher auf seiner Seite. So locker und gelöst hatte man den jungen Springreiter aus Lastrup im vergangenen Jahr nicht immer erlebt.

„Ja, das war eine schwierige Zeit. Das letzte Jahr ist nicht optimal gelaufen“, weiß Guido Klatte jr. Der Shootingstar am deutschen Springreiter-Himmel sammelte eine völlig neue Erfahrung. „Als es bei mir richtig gut lief, rief die Presse nahezu jeden Tag an. Aber nach jedem Hoch kommt schnell mal ein Tief. So musste ich erst einmal lernen, damit umzugehen“, erzählt er von einem mehr oder weniger auch selbst verordneten Lehrjahr.

Der Stern von Guido Klatte war 2015 aufgegangen. Nach etlichen EM-Teilnahmen im Juniorenbereich, schaffte er im ersten Jahr als junger Reiter die Teilnahme an der U-21-EM in Österreich. Mit großem Erfolg: Außer mit der Bronzemedaille in der Einzelwertung reiste Klatte junior als Vize-Europameister mit der deutschen Equipe zurück nach Lastrup. Es folgten viele Siege und Platzierungen bis zum Viersterne-Niveau, darunter der EM-Einzeltitel bei den jungen Reitern 2016.

2017 folgte bei den Senioren der endgültige Durchbruch mit der Qualifikation für das Weltcup-Finale in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Als bester deutscher Starter kam Klatte junior auf Platz sechs, im selben Jahr sprang er in Balve bei den deutschen Meisterschaften auf Platz zwei. Kurz vor seinem 23. Geburtstag, im Dezember 2018, machte sich der junge Mann mit dem Sieg im Großen Preis von Frankfurt selbst das schönste Geburtstagsgeschenk.

All diese Erfolge sind eng verbunden mit dem Oldenburger Springpferd Qinghai. Guido und den Wallach verbindet eine ganz besondere Geschichte, sind doch beide von klein auf auf dem Zuchthof der Familie Klatte zusammen. Qinghai kam als Fohlen zu Klattes, als Guido noch ein Teenager war.

Umso schmerzhafter war es für Guido, dass der mittlerweile zwölfjährige Qinghai verletzungsbedingt bald ein Jahr lang aussetzen musste. „Das war schon bitter“, sagt Klatte junior, der den Ausnahme-Wallach Ende dieses Jahres in den großen Springsport zurückbringen will. „Wir bauen ihn gerade langsam wieder auf. Mein Ziel ist es, in der Draußen-Saison wieder mit ihm anzugreifen“, hofft er auf neuerliche Einsätze im Nationenpreis und auf einen Start bei der DM in Balve 2020.

Angreifen will Klatte aber auch schon beim laufenden Agravis-Cup in der großen EWE-Arena. Drei Pferde stellt er bei acht Starts vor. „Ich habe das große Glück, jetzt zwei hoffnungsvolle Siebenjährige reiten zu dürfen“, erzählt er und zeigt dabei auf die vor ihm liegende Ergebnisliste der internationalen Springprüfung CSI3*. Klatte kam nach einem fehlerfreien Ritt und einer Zeit von 52,71 Sekunden mit dem siebenjährigen Wallach Van Halen auf einen guten 13. Platz. Sieger Johannes Ehning hatte den Parcours in nur 45,53 Sekunden absolviert, hatte aber in den 14-jährigen Quintana Roo ein deutlich erfahreneres Pferd unter sich.

Twilight, ebenfalls siebenjährig und zudem als Deckhengst bei Klatte im Einsatz, heißt die zweite Nachwuchshoffnung, die Guido bei der Youngster Tour erfolgreich im Preis der Nordwest-Zeitung vorstellte. Das Paar kam hinter Lokalmatador Mario Stevens (Molbergen) und Botakara (0 Fehler/49,88 Sek.) auf einen beachtlichen zweiten Rang (0/53,95).

Für die Große Tour beim Agravis-Cup sattelt er den zwölfjährigen Asagan. Der Wallach gilt nicht als einfach, lässt sich gern mal ablenken. Asagan muss derzeit die Lücke ausfüllen, die durch den Ausfall von Qinghai erstanden ist. „An einem guten Tag kann Asagan auch Null springen“, sagt er mit Blick auf den Großen Preis an diesem Sonntag (15 Uhr). Eine vordere Platzierung wäre ein schöner Lohn für so manchen Rückschlag und für die vielen Mühen und Anstrengungen der letzten Monate der Familie Klatte.

Während der fesche Junior seinen Job als Speditionskaufmann ruhen lassen darf und sich ganz auf den Springsport konzentrieren kann, schmeißen seine Eltern den heimischen Zuchthof. Seine beiden Schwestern Alina (31) und Victoria (25) kümmern sich derweil um das internationale Pferdetransportgeschäft des Familienbetriebs. Und was gibt es für alle da Schöneres als sich gemeinsam über sportliche Erfolge zu freuen? „Ich habe mir jedenfalls für Oldenburg einiges vorgenommen. Vor dem eigenen Publikum zu reiten, ist zudem eine zusätzliche Motivation für mich“, kündigt der Junior weitere Großtaten an.

Otto-Ulrich Bals Autor
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