OLDENBURG - Nach den beiden tödlichen Unfällen im Vielseitigkeits-Reitsport häufen sich kritische Stimmen. So wird beim Pferdesportverband Weser Ems über Mindestanforderungen nachgedacht. „Die Aktiven müssen die Prüfung zum Deutschen Reitabzeichen ablegen. Bei dieser werden die Teilbereiche Theorie, Dressur und Springen abgefragt“, erklärt Landesjugendwart Klaus Gosch. Zwar gibt es auch eine Teilprüfung Geländereiten, aber die ist freiwillig, da es in vielen Regionen keine Geländestrecken gibt.
„Hier müssen wir ansetzen“, meint Gosch. Er plant, für Neueinsteiger die Teilprüfung Geländereiten zur Pflicht zu machen. Jeder Reiter müsse einen Stilgeländeritt der Klasse A mindestens mit der Wertnote 5,50 abschließen, um an Turnieren teilzunehmen. Auch die Absolvierung einer Einsteigerprüfung als Voraussetzung für einen Start in der Klasse A wäre denkbar, um die Buschreiterei noch sicherer zu machen.
Unterstützung erhält er von Otto Erley, der bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf für das Leistungsprüfungswesen zuständig ist: „Unser Regelwerk gibt solche Mindestanforderungen her und könnte problemlos umgesetzt werden. Ich befürworte es.“
Kritisch äußerte sich der amtierende Oldenburger Meister der Springreiter, Otto Vaske (Cloppenburg): „Ich bin in jungen Jahren dreimal im Gelände gestürzt und halte die Vielseitigkeit für zu gefährlich.“ Er bemängelt, dass im Gelände gegen feste Hindernisse geritten wird. „Falls man hängen bleibt, wird die Geschwindigkeit schlagartig auf null reduziert. Dadurch gibt es beim Sturz enorme Belastungen.“ Für Vaske sei es kurios, dass im Parcours Sicherheitsauflagen Pflicht sind, die für das direkte Runterfallen der Hindernissstangen sorgen, aber im Gelände immer noch gegen starre und feste Hürden geritten werde.
Anders sieht dies Jörg Maier, neuer Geschäftsführer des Pferdesport-Verbandes Weser-Ems: „Es gibt auch im Springsport viele schwere Stürze, und ich sehe dies nicht als reines Problem der Vielseitigkeit.“ Aber auch er erkenne Handlungsbedarf.
Einig sind sich alle Experten, dass beim Umgang mit Pferden stets ein Restrisiko bleibt. Allerdings gehört Reiten nicht zu den gefährlichsten Sportarten und rangiert in der Statistik eines deutschen Versicherungskonzerns an siebter Stelle. „Es gab auf nationalen Turnieren im vergangenen Jahr 23 000 Starts in der Vielseitigkeit und keinen Todesfall“, rechnet Uta Helkenberg von der FN vor.
Das Regelwerk
