RASTEDE - Selbst wenn aus China Besucher jener Sorte kämen, die auf Produktpiraterie aus sind, sie würden unverrichteter Dinge vom Oldenburger Landesturnier der Reiter aus Rastede zurückkehren: Oldenburger Pferde lassen sich so schnell nicht nachbauen, die sechs Turniertage nicht kopieren.

Weder der aktive chinesische Reiter Huang Zuping noch die Delegation von Pferdekennern aus San Francisco waren zur 59. Leistungsschau der Oldenburger Reiterei in unlauterer Absicht gekommen. „Den Kaliforniern sind die Unterkiefer vor Staunen heruntergefallen“, sagte Turnierleiter Claas Daun vom RRV Rastede.

Der Ammerländer Unternehmer selbst hat auch noch kein vergleichbares Reiterfest gefunden: „Das hat man irgendwann erarbeitet, und niemand erreicht das Gleiche.“ Ministerpräsident Christian Wulff überzeugte sich am Sonnabend selbst davon, ebenso Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen.

Bei knapp 30 000 Zuschauern lag erneut der Besuch, mehr gibt das mit neuen Sichtachsen aufgelockerte Parkgelände wohl nicht her. „Noch nie war ein Donnerstag im Schlosspark so gut besucht wie diesmal“, befand Daun. Am Tag der Stutenschau dürfte deshalb Züchterpräsident Wilhelm Weerda leuchtende Augen bekommen haben.

Der Oldenburger Reiterverband pflegt und putzt sein Aushängeschild also mit Herz und Verstand. Revolutionen wird es im Ammerland nicht geben. „Aber wir erleben immer Veränderungen und Verbesserungen, die jedoch nicht die Harmonie zwischen Breiten- und Spitzensport und die abgewogene Vielfalt der Disziplinen stören“, wirft Verbandspräsident Hans Fleming ein.

So könnte vielleicht die Diskussion um den Umfang der Oldenburger Meisterschaften neu aufflammen. Dierk Wardenburg, seit 45 Jahren als Aktiver und Richter beim Landesturnier im Einsatz, ist da einer der Wortführer: „Es muss nicht immer drei Wertungsprüfungen geben, es reichen zwei und dafür das Finale vielleicht mit zwölf statt sechs Startern.“ Das würde Luft im engen Zeitplan schaffen.

Kein Gedanke gilt derzeit einem Aufblasen der S-Springen durch das Anlocken von Stars. „Da machen wir das Rennen um die vielen Euros nicht mit“, sagt Daun mit Nachdruck. „Das geht gegen den Charakter des Turniers. Das Oldenburger Land hat selbst ein riesiges Reservoir an S-Reitern und Pferden.“