RASTEDE - Könnten Pferde reden, hätten sie möglicherweise den Menschen schon die Freundschaft gekündigt. Was wirklich noch in der Natur der Tiere liegt, war im Spitzensport zuletzt wenig nachgefragt. Der Oldenburger Reiterverband will beim 61. Oldenburger Landesturnier in der kommenden Woche dagegen ein Zeichen setzen. Motto: Auch kleine Aktionen festigen das Auskommen zwischen Pferd und Reiter.

Die kleine aber bedeutsame Aktion, die an jedem Tag zwischen dem 21. und 26. Juli im Rasteder Schlosspark groß herauskommen soll, heißt „Warm-Up-Fairness-Preis“. Ein Richterkollegium fasst an jedem der sechs Turniertage bei jeweils einem Springen oder einer Dressur die Vor- und Nachbereitung der Starter ins Auge. „Wir nehmen uns Junioren oder junge Reiter gezielt vor“, sagt Dierk Wardenburg als Sprecher. Kritisch beäugt werden der faire Umgang mit dem Sportpartner Pferd, aber auch mit den Mitarbeitern, Trainern und Konkurrenten.

Wahrscheinlich ist das traditionsreiche Turnier eine der wenigen Veranstaltungen, bei dem eine solche Aktion noch glaubhaft ein „gutes Beispiel für die Schönheit des Pferdesports“ sein kann. Claas Daun kennt die heikle Verbindung von Wirtschaft und Sport. Der Turnierleiter würde daher nie schwören, dass bei einem Turnier mit einem geschäftlichen Hintergrund der Verkaufswert von Pferden nicht auch unlauter nachgebessert werden könnte. Aber dafür „dass unsere Struktur viel Vertrauen schafft“, verbürgt er sich.

Als erste spüren es die Züchter, wenn Vertrauen schwindet. „Der jüngste Dopingfall Werth hat uns enormen Schaden zugefügt“, erzählt Gerd Sosath. Der erfolgreiche Springreiter aus Berne führt den größten Züchterstall im nördlichen Oldenburger Land. „Das Vertrauen der Kunden hat gelitten“, erfuhr er persönlich. Deshalb sieht er im Landesturnier eine Vorzeige-Veranstaltung, „weil hier wirklich der Sport und das Miteinander das Wichtigste sind.“ Dass Olympiasieger Ulrich Kirchhoff wieder gemeldet hat, freut ihn besonders: „Der kommt extra aus Italien, weil in Rastede noch alles stimmt!“

Stimmen soll zwischen Dienstag und Sonntag vor allem wieder die Mischung: Für die Sportler die hochrangigen Wettbewerbe in Springen und Dressur. Für die Zuschauer die Verbindung von Sport und Show. Für die Oldenburger Asse die Vielfalt der Meisterschaften. Für die Züchter die Präsentation der Reit-, Spring- und Dressurpferde sowie am Donnerstag der besten Stuten. Für die Gespannfahrer die gute Gestaltung der Geländestrecke. Für die Jüngeren am Freitag der Ponynachmittag. 800 Reiter führen mehr als 2000 Pferde ins Feld. Über 100 000 Euro werden an Preisgeld ausgeworfen.

www.NWZonline.de/landesturnier