RASTEDE - Irgendwie blickte Hans Fleming ausweichend im Kreis herum wie ein Vegetarier, dem man gerade dicken Schweinebraten mit Fettschwarte aufgetischt hatte. „Es gibt etwas beim Landesturnier, das mir Bauchschmerzen macht“, hob der Präsident des Reiterverbandes Oldenburg an. Das bezog sich natürlich nicht auf den imaginären Braten. Nein: „Es ist das Nennergebnis der Vielseitigkeit.“

Vor vier Jahren hatte Flemings Vorgänger Ludger Fischer bei den Oldenburger Meisterschaften einen Umsturz angezettelt. Er ließ den Vielseitigkeits-Wettbewerb, der gern als Kernstück der Reitertage betitelt wird, von der Kategorie L auf A herunterstufen. Dass keine offene Revolte ausbrach, lag an Fischers herzhafter Überzeugungsarbeit – und an den Tatsachen.

Immer weniger Reiter und Reitvereine erreichten das Meisterschaftsniveau. „Zunächst einmal wieder mehr Breite schaffen, um dann eine breitere Spitze zu erhalten“, lautete Fischers Credo. Sein Enthusiasmus gipfelte in einer Wette: Hundert Reiterinnen und Reiter werde er im A-Wettbewerb auf die Hufe bringen, fast dreimal sie viele wie vorher.

97 Aktive wurden es dann in der Tat. 63 blieben ohne den Reiz des Neuen ein Jahr später bei der Fahne. Nur um die 50 werden es diesmal im Military-Alltag am Freitag und Sonntag sein. „Wenn wir uns im Verband nach denen umhören, die noch eine L-Military reiten können, dürften sich um die 20 melden“, muss Fleming einräumen.

„Wir haben viele Wege zur Entwicklung angeboten“, verweist der Reiter-Präsident auf die breit angelegte Förderung der Vielseitigkeit. Doch er kennt die Mechanismen des Pferdemarktes ebenso wie Wilhelm Weerda. „Früher haben wir alle die Vielseitigkeit geritten, das gehörte zur Grundschulung“, erinnert sich der Züchter-Präsident. „Aber heute spezialisieren sich alle auf Dressur und Springen.“ Doch die Frage, ob das Vielseitigkeitspferd zuchtmäßig am Ende sei, provoziert bei Weerda engagierten Widerspruch: „Nein, definitiv nicht!“ Die Zahl der Pferde, die eine Vielseitigkeit gut bewältigen können, sei immer noch hoch. Manche verstecken sich in anderen Disziplinen.

Zudem schlagen inzwischen offenbar jene Reiter einen Bogen um Rastede, die sich anfangs von der Einstufung nach A haben blenden lassen. Der Geländeritt stellt auch in der abgewerteten Kategorie Ansprüche, die einer Oldenburger Meisterschaft angemessen sind. Der erfahrene Richter Dierk Wardenburg aus Berne sieht deshalb „bei 50 Startern keinen Grund zur Resignation“, aufpassen müsse man allerdings.

Beobachtet haben Experten, dass die Unterstützung durch das Elternhaus wegbricht. „Das hat sich gewandelt“, schätzt Fleming. Und da stößt alle Förderung an Grenzen. Fleming: „Den roten Teppich können wir auslegen – aber drauftreten müssen die Reiter schon selbst.“