Herr George, wenn man neben Ihnen steht, hört man jede Menge Komplimente zum Turnier. Fällt Ihnen spontan ein besonderes ein?

Michael GeorgeMeine Amtskollegin vom Schleswig-Holsteinischen Verband hat Rastede besucht. Ihr Fazit: Das ist ein Traum! Wie das hier läuft, da kann ich zu unserem Landesturnier in Bad Segeberg ganz viel mitnehmen.

Ist Rastede nicht im Grunde ein richtig altmodisches Turnier?

George Es kommt auf die Definition von altmodisch an. Für mich ist das im Fall Rastede ein positiver Wert. Die Spezialisierung bei großen Turnieren ist nicht zu übersehen. Im Schlosspark aber bieten wir auf einem Platz alles, was die Vielfalt der Reiterei ausmacht. Dass die Reiter eine große Familie sein sollen, hört man ja oft. Hier sind sie es.

Aber Tradition allein sichert keine Zukunft. Gerade familiär geführte Unternehmen verschlafen oftmals den Wandel . . .

GeorgeHinrich Romeike, einer unserer besten Vielseitigkeitsreiter, hat gerade erst festgestellt: Rastede wird jedes Mal ein bisschen besser!

Muss es nicht etwas mehr sein als nur ein bisschen, wenn man zukunftssicher bleiben will?

GeorgeMir fallen da schon einige richtige Umwälzungen aus den vergangenen Jahren ein. Wer vermisst denn heute noch den einst so als Kernstück gefeierten Riesenaufmarsch am Sonntag vor der Tribüne mit der Übergabe der Landesstandarte? Das war ja ein prächtiges Bild. Aber eine Stunde lang Reiterverein nach Reiterverein, das hat niemand mehr wirklich sehen wollen.

Laut seiner Satzung steht der Reiterverband „auf dem Boden des Amateurgedankens“. Wie behauptet sich Rastede in der Gunst jener Zuschauer, die sich eher von großen Namen als von großer Breite locken lassen?

GeorgeEs verblüfft mich immer wieder, dass vor jedem Turnier die Frage herum schwirrt: Wer von den großen Assen kommt denn zu euch? Wir haben große Namen im eigenen Beritt, siehe Rolf Moormann oder Mario Stevens. Michaels-Beerbaum, Kirchhoff oder andere Stars haben immer schon hier gesattelt. Ein Pfund ist die neue attraktive Prime-Time-Tour. Wer alle Springen zwischen Donnerstag und Sonntag gewinnt, kann 40 000 Euro mitnehmen. Das ist kein familiäres Taschengeld mehr.

Darf man Reiten im Oldenburger Land Breitensport nennen, besonders bei der stark umworbenen und auch in Rastede präsenten Jugend?

GeorgeDas wäre zu hoch gestochen. Jugendarbeit kostet Geld. Jedes Pferd, das zu Hause steht, verursacht 300 bis 500 Euro monatlich an Kosten. Das setzt Grenzen. Hinzu kommt die knapper werdende Freizeit der Schüler. Um diese Kinder und Jugendlichen schlagen sich alle Verbände. Unsere Aus- und Fortbildung ist langfristig angelegt. Manche Züchter haben gute Pferde und keine passenden Reiter. Da bieten wir dem Nachwuchs Wege und Ziele, die ihn auch finanziell nicht überfordern.