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NWZonline.de Sport Pferdesport

Reiter mit Sandra Auffarth holen erste deutsche Medaille

10.08.2016

Rio De Janeiro Bundestrainer Hans Melzer mochte nicht mehr hinsehen. Als das kaum noch für möglich gehaltene silberne Happy-End für die deutschen Vielseitigkeitsreiter in Rio de Janeiro perfekt war, stand er etwas abseits vom Geschehen. „Nachdem Michi geritten war, bin ich weggegangen“, berichtete der 65-Jährige über die entscheidenden Minuten am Dienstag im Olympiapark Deodoro. „Ich konnte das nicht mit anschauen.“ Dass es tatsächlich noch zu Rang zwei reichte, hatte der 65 Jahre alte Coach dann erst nur gehört: „Ich habe auf die Reaktionen im Stadion gewartet.“

Mit drei makellosen Ritten im abschließenden Springen hatten Doppel-Weltmeisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Louvo, Ingrid Klimke mit Hale Bob und Doppel-Olympiasieger Michael Jung mit Sam den schlechten Gelände-Auftritt der hochgehandelten Favoriten wettgemacht und sich noch von Rang vier auf zwei verbessert. Es war zugleich die erste Medaille des deutschen Olympia-Teams in Rio überhaupt.

Möglich machten den Sprung auf das Podium hinter dem neuen Olympiasieger Frankreich die Patzer der Konkurrenz aus Australien und Neuseeland. Der überragende Jung gab zu: „Es wäre gelogen, wenn man sagen würde, dass man sich nicht über die Fehler der anderen freuen würde.“

„Das war ein Herzschlagfinale. Die Berg- und Talfahrt hat sich heute fortgesetzt“, sagte Dennis Peiler, Sportchef beim Reitsportverband FN. „Nach dem Gelände mussten wir das erstmal verdauen. Jetzt sind wir überglücklich. Es ist unglaublich, wie sich das noch gedreht hat.“ Verbandschef Breido Graf zu Rantzau schwärmte: „Da kann man einfach nur glücklich sein.“

Nur an Frankreich kamen die deutschen Reiter nicht mehr heran. Doch Bronze-Gewinner Australien und Neuseeland ließen sie hinter sich. Julia Krajewski aus Warendorf durfte allerdings nicht mithelfen. Die 27 Jahre alte Olympia-Debütantin war am Montag beim Geländeritt nach drei Verweigerungen auf Samourai ausgeschieden.

Jung hatte am Dienstagnachmittag noch die Chance auf eine Medaille in der Einzelwertung. Der 34-Jährige, der in London vor vier Jahren mit seinem Wallach Sam Doppel-Gold gewonnen hatte, lag im Ranking auf Platz eins. „Wir haben uns noch einmal konzentriert“, sagte der Reiter aus Horb. „Wir hatten uns vorgenommen, dass wir drei Null-Runden reiten. Das haben wir geschafft. Es war klar, dass wir auf die Fehler der anderen angewiesen sind.“

Dass die Equipe den deutschen Gold-Hattrick nach den Siegen in Hongkong 2008 und London 2012 verpassen würden, stand schon am Montag nach einem der schlechtesten Ergebnisse im Gelände seit Jahren so gut wie fest. Doch zumindest Silber und Bronze war dank Jungs fehlerfreier Runde im Gelände noch möglich.

Beim Springen im Olympiapark Deodoro bewiesen die verbliebenen drei deutschen Reiter Nervenstärke. Zunächst blieb Auffarth im Springen ohne Strafpunkt. „Die Enttäuschung ist jetzt zumindest minimiert“, sagte Auffarth. Am Ende durfte sie sich noch über eine Medaille freuen. „Es ist besser, Silber zu gewinnen, als Gold zu verlieren“, ergänzte sie.

Auch die zweimalige Team-Olympiasiegerin Ingrid Klimke kam ohne Fehler ins Ziel. „Er sprang spitze“, schwärmte die Reiterin aus Münster über ihren Wallach, der am Montag eine Verweigerung hatte. „Heute ist er mein Held. Er sprang flüssig und souverän.“ Jung setzte dann mit seiner Nullrunde den nach ihm startenden Neuseeländer Mark Todd mit Leonidas und den Australier Christopher Burton mit Sanatno unter Druck. Beide patzten und machten den Weg frei.

Bundestrainer Melzer war „unheimlich stolz“, dass sein Team doch noch für das erste Edelmetall der deutschen Olympia-Mannschaft gesorgt hat. „Das war ja in London das Gleiche.“ Nur dass in Rio eine „Aufholjagd sondergleichen“ notwendig war. „Das ist schon toll“, schwärmte Melzer: „Das ist eine Belohnung für die Reiter.“

Dennoch ist es die erste Niederlage der Deutschen bei einer internationalen Großveranstaltung seit sechs Jahren. Das Team der Bundestrainer Melzer und Chris Bartle hat seitdem unter anderem dreimal bei Europameisterschaften und bei der WM 2014 in Caen gewonnen.

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