Trauer verjährt nicht. Wenn vielleicht auch nur ein Einziger im Organisationsstab des Oldenburger Landesturniers insgeheim darauf gehofft hatte, dass mit Beginn der 66. Auflage der Tod des Vielseitigkeitspferdes Likoto aus dem Vorjahr quasi ad acta gelegt wird, den hatte die Vergangenheit spätestens am 14. Juni wieder eingeholt. An diesem Tag verstarb in Luhmühlen nach einem schweren Sturz der deutsche Vielseitigkeitsreiter Benjamin Winter. Der Reitsport stand unter Schock. Die Diskussionen über Sinn und Unsinn des ebenso faszinierenden wie gefährlichen pferdesportlichen Dreikampfs bestimmten von nun an wieder das Bild der Vielseitigkeitsreiterei in der Öffentlichkeit.
Kein Fall lässt sich mit dem anderen vergleichen, doch plötzlich war sie auch in Ra-stede wieder da: Die Angst des Veranstalters vor der Geländestrecke. Das Organisationsteam um die Turnierleiter Jan-Christoph Egerer und Michael George reagierte schnell. Sowohl für die Meisterschafts-Kategorie L als auch für die Klasse A wurden die Zulassungsbedingungen für Pferd und Reiter in diesem Jahr verschärft. Das führte zu vielen Absagen, so dass die Teilnehmerfelder auf 13 beziehungsweise 26 Starter zusammengestrichen werden mussten.
Der neue Maßstab kam nicht bei allen gut an. Auf viele Aktive und Vereine übt Rastede eine ungeheure Faszination aus. Anrufe wurden getätigt. Erklärungen waren nötig. Andere sahen das Herzstück des Landesturniers, den Weiterbestand der Vielseitigkeit, nachhaltig gefährdet.
Egerer und George ließen sich nicht erweichen. Sie hielten die harte Sicherheitslinie durch – und sie stehen zu diesem Wettbewerb. Die Vielseitigkeit wird Bestandteil im Rasteder Schlosspark bleiben. Nur anders. Denn das Niveau von Aktiven und der Geländestrecke müssen weiter aufeinander abgestimmt werden. Vereine und Veranstalter sind jetzt gefordert, das immer bestehende Restrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Dieses Signal geht von Rastede 2014 aus.
Der kritische Blick auf das Teilnehmerfeld kann nicht der alleinige Weg, gleichwohl ein zielführendes Teilstück sein. Der Grundsatz weniger ist mehr darf nicht verjähren.
