SCHENEFELD/GANDERKESEE - Mit Bestürzung und Anteilnahme hat die Pferdesport-Szene auf den Tod von Tina Richter-Vietor reagiert. Die Vielseitigkeitsreiterin aus Ganderkesee war am Sonnabendnachmittag in einer Rahmenprüfung der Deutschen Vielseitigkeitsmeisterschaften in Schenefeld (Kreis Pinneberg) verunglückt und noch auf der Strecke ihren schweren Verletzungen erlegen.
Schon das zweite Hindernis wurde der 32-Jährigen zum Verhängnis. Ihr Pferd Paulchen Panther, ein neunjähriger Oldenburger Wallach, blieb mit den Vorderbeinen hängen und stürzte, die Reiterin wurde aus dem Sattel katapultiert und fiel auf die andere Seite des Hindernisses. Zwar wurde sie sofort notärztlich versorgt, verstarb aber trotz sofortiger intensiver Reanimationsmaßnahmen noch an der Unfallstelle.
Augenzeugin des tödlichen Sturzes war Bärbel Auffarth, Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Delmenhorst. „Sie hat den Sprung gut angeritten, aber Paulchen Panther sprang falsch ab und verkeilte sich im Sprung. Es war kein Reiterfehler“, sagte sie tief betroffen.
Geschockt war auch RVG-Vorsitzender Stephan Schnier, der noch eine Stunde vor dem tödlichen Sturz mit Richter-Vietor telefonierte. Er beschrieb sie als freundlich und lustig. „Der RV Ganderkesee hat ein reitsportliches Aushängeschild verloren.“
Fragen nach der Todesursache beantwortete Turnierarzt Dr. Johannes von Bodmann unter Vorbehalt auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Bei einer ersten Untersuchung am Unfallort habe er auffällige Veränderungen an der Halswirbelsäule ertastet, so dass der Verdacht eines Genickbruchs nahe liege. Endgültige Klarheit werde jedoch erst die gerichtsmedizinische Obduktion ergeben.
Die Prüfung wurde daraufhin abgebrochen, die Meisterschaft im Rahmen der Drei-Sterne-Weltcupprüfung abgesagt. „Unter diesen Umständen können wir nicht reiten. Wir wissen, dass das ein tragischer Unglücksfall war, aber aus Respekt vor unserer Kameradin können wir nicht antreten“, sagte Peter Thomsen (Lindewitt/Flensburg).
Auch Kai Rüder (Fehmarn) sagte bestürzt: „Unser Sport geht weiter, aber diesmal müssen wir Tina Richter-Vietor und ihren Angehörigen unseren Respekt erweisen.“ Bundestrainer Hans Melzer hatte schon vor der Entscheidung der Aktiven erklärt: „Was immer wir in Schenefeld beschließen, jeder muss wissen, was er für richtig hält. Jede Entscheidung müssen wir respektieren.“ Auch die Idee einiger Reiter, am Sonntag wenigstens noch eine abschließende Springprüfung durchzuführen, wurde verworfen.
Oldenburgs Reiterpräsident Hans Fleming erhielt die Nachricht vom Tod von Tina Richter-Vietor am Sonntag und zeigte sich bestürzt: „Tina war ein Vorbild für unsere Jugend. Wir verlieren eine Vorzeigereiterin.“ Richter-Vietor war für ihren fairen Umgang mit dem Sportpartner Pferd bekannt.
