Ganderkesee/Langenhagen - Wirklich genießen konnte sie ihren Sieg nur kurz. Als Sandra Auffarth am Sonntag beim internationalen Vielseitigkeitsturnier in Langenhagen-Twenge mit „The Frontier“ als Erste durchs Ziel ritt, hatte die 26-Jährige längst vom schweren Sturz ihres Kollegen Bernd Backhaus (Niederweimar) mit „Herr Poitzmann“ erfahren. Am Sonntagabend herrschte dann traurige Gewissheit: Das Pferd des 42-Jährigen musste eingeschläfert werden.

Eine sichtlich betroffene Auffarth („Das ist alles sehr tragisch“) hatte den Sturz selbst nicht gesehen, Details erst später im Gespräch mit dem Reiter Backhaus erfahren. Der elfjährige „Herr Poitzmann“ war beim Geländeritt an Sprung 23 gestürzt und anschließend in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht worden. Dort wurde eine Querschnittslähmung diagnostiziert und das Tier getötet. Das Pferd war bei der Zwei-Sterne-Prüfung CIC offenbar zu kurz über das Hindernis gesprungen, traf mit dem Huf auf einen Balken und kam ins Straucheln.

Der erfahrene Reiter Backhaus hat mit dem Elfjährigen mehr als 20 internationale Prüfungen bestritten. Zuletzt war das Paar allerdings zweimal ausgeschieden. Auffarth hatte in Langenhagen den zwölfjährigen „The Frontier“ gesattelt. Mit dem irischen Wallach möchte die Mannschafts-Olympiasiegerin neben Gold-Wallach Opgun Louvo ein zweites starkes Pferd ausbilden.

Die Prüfung war kurz unterbrochen, dann trotz des Sturzes aber fortgesetzt worden. Der Veranstalter gab an, dass der Vorfall auf Wunsch des Reiters und seines Teams „bis nach der Siegerehrung so diskret wie möglich“ behandelt worden sei. Erst am Montag bestätigte der Turnierchef des Todesfall.

Durch den Fall von „Herr Poitzmann“ erhöht sich die Zahl der toten Pferde in den zurückliegenden vier Monaten allein bei Prüfungen in Deutschland auf vier. Im Mai starb Dirk Schrades Olympia-Pferd „King Artus“ in Wiesbaden, vier Wochen später „P’tite Bombe“ des Franzosen Emeric George in Luhmühlen und im Juli „Likoto“ von Merle Wewer in Rastede. „King Artus“ erlag ebenso einem Aortenabriss wie „Likoto“. Das Pferd „P’tite Bombe“ verletzte sich bei einem missglückten Sprung so schwer, dass die Stute – so wie nun „Herr Poitzmann“ – eingeschläfert werden musste. Turnierchef Marc Münkel kündigte an, man werde den Unfall „genau untersuchen“. Die Vielseitigkeit gilt als die gefährlichste Pferdesport-Disziplin und ist in den vergangenen Wochen – nicht zuletzt durch die Häufung der tragischen Unfälle – massiv in die Kritik geraten.