Mexiko-Stadt - Christian Ahlmann reitet für die Mexico Amigos, Ludger Beerbaum startet für die Cannes Stars und Daniel Deußer für die Shanghai Swans. Hinter diesen Comic-Namen verbirgt sich das größte Millionen-Geschäft des Pferdesports. Die Global Champions Tour expandiert weiter. Die am Wochenende in Mexiko-Stadt beginnende Springsport-Serie steigert das Preisgeld um fast 20 Prozent auf jetzt 23 Millionen Euro. Die Zahl der Teams wächst von zwölf auf 18.

Manche halten die vom Niederländer Jan Tops ersonnene Teamwertung für eine Bedrohung des Pferdesports und fürchten um die traditionsreichen Nationenpreise. Andere sehen in der mit Abstand am höchsten dotierten Serie eine Bereicherung. „Jan hat mich gefragt, ob ich mitmache, und ich habe gerne „Ja“ gesagt“, erklärt Marcus Ehning, der jetzt für Valkenswaard United startet.

Insgesamt gibt es ein Dutzend deutscher Reiter, die an dem Global Champions League genannten Team-Wettbewerb (GCL) mitmachen. Dazu gehört Guido Klatte jr. aus Lastrup (Kreis Cloppenburg), der im gleichen Team wie Beerbaum reitet (Cannes Stars). Der 21-jährige Klatte jr. hatte kürzlich international für Aufsehen gesorgt, als er beim Weltcup-Finale in Omaha/USA Sechster wurde und für das beste Ergebnis der deutschen Starter sorgte.

Einige Reiter boykottierten den Team-Wettbewerb jedoch, darunter der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat. „Wir wollen die Werte unseres Sports verteidigen, wie wir ihn lieben“, sagt auch Kevin Staut, der französische Team-Olympiasieger von Rio. „Wir sind nicht gegen die Global-Turniere, sondern wollen andere Turnierserien schützen.“

Bedroht sehen sie vor allem die traditionelle Nationenpreis-Serie. Der vom Weltverband organisierte Wettbewerb der Nationalmannschaften verliert im Duell mit der privat gemanagten Global Champions Tour an Bedeutung. Auch bei den deutschen Tour-Stationen in Hamburg und Berlin gibt es Termin-Überschneidungen mit den Nationenpreis-Turnieren in Rom und Hickstead. Es dürfte für Bundestrainer Otto Becker nicht einfach werden, vier starke Reiter zu überreden, auf die lukrativen Heimspiele zu verzichten, um für die Nationalmannschaft zu reiten.

Tour-Gründer Jan Tops kann die Aufregung nicht verstehen. Die Regeln seiner GCL seien so, dass die Nationaltrainer „jederzeit“ ihre Reiter für die Nationalmannschaft nominieren können.

Merkwürdig ist die Rolle des Weltverbandes FEI. Zunächst hatte der Verband sich gegen die „illegale Privatisierung“ des Pferdesports „mit allen juristischen Mitteln“ gewehrt. Nachdem die FEI aber ein Verfahren bei der belgischen Wettbewerbs-Behörde verlor, knickte sie schnell ein. Verbands-Präsident Ingmar De Vos erzählt jetzt: „Die FEI glaubte immer daran, dass es Platz gibt für eine Koexistenz der bestehenden FEI-Serien und der GCL.“