Strzegom - Es ist ein sehr spezielles Aufeinandertreffen. 16 Jahre arbeiteten Hans Melzer (66) und Chris Bartle (65) bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN zusammen und sorgten für eine Flut von Medaillen. Wenn an diesem Donnerstag in Strzegom (Polen) die Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter beginnt, dann sind die beiden Trainer erstmals Gegner.

„Das ist ein komisches Gefühl“, gibt Bartle zu. Der britische Coach hatte im vergangenen November die bis 2020 geplante Zusammenarbeit mit der FN beendet, um das Team seines Heimlandes zu übernehmen.

Das Duo war für die beispiellose Erfolgsserie der deutschen Vielseitigkeitsreiterei verantwortlich. Dreimal in Folge gewann das Team zuletzt bei den Europameisterschaften Gold, und dreimal in Folge feierte Michael Jung dabei auch den Einzel-Sieg. Einen erneuten EM-Triumph will Bartle verhindern. „Die Deutschen sind Favorit“, sagt der Brite allerdings.

Sportlich sind Melzer und Bartle bei der Jagd nach Gold Gegner, privat ist das gute Verhältnis geblieben. „Wir sind nach wie vor super befreundet“, betont der 66-jährige Melzer. Der Verlust schmerzt trotzdem. „Chris ist nicht zu ersetzen“, sagt Melzer. Der Brite war vor allem für das Training zuständig, der Deutsche mehr für Organisation und Motivation.

Die Trainer hatten nach dem Desaster bei der WM 2002 in Jerez de la Frontera die Nachfolge von Martin Plewa angetreten und Deutschland zur führenden Nation gemacht. Nicht nur bei den Europameisterschaften triumphierten die deutschen Reiter in Serie. Doppel-Gold feierten sie bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012 sowie bei der Weltmeisterschaft 2014. Zuletzt in Rio gewannen das Team Olympia-Silber und Michael Jung Einzel-Gold.

Jung (Horb) greift bei der EM zusammen mit drei Frauen nach den Sternen. Zum Team gehören die zweimalige Mannschafts-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (Münster) mit Hale Bob, Ex-Europameisterin Bettina Hoy (Rheine) mit Seigneur Medicott und Julia Krajewski (Warendorf) mit Samourai du Thot.

Nicht zum Kader zählt Sandra Auffarth (30). Die Ganderkeseerin und ihr Pferd Opgun Louvo waren verspätet in die Saison gestartet. „Wolle“ hatte sich Anfang des Jahres das Griffelbein gebrochen.