Luhmühlen/Oldenburg - Nach guten Jahren mit vier Olympiasiegen steht die Vielseitigkeitsreiterei in Deutschland wieder am Pranger. Zwei tote Pferde in nur vier Wochen bringen die Gegner der früheren „Military“ auf die Barrikaden. Die Tierschutzorganisation Peta will sogar Anzeige erstatten.
„Wir prüfen derzeit den Fall. Ich gehe davon aus, dass die Anzeige gestellt wird“, kündigt Peta-Sprecher Edmund Haferbeck an. Am Sonnabend waren die Stute P’tite Bombe und ihr französischer Reiter Emeric George während des Geländerittes in Luhmühlen an einem Hindernis gestürzt. Das Pferd landete auf dem Hals und musste anschließend wegen einer Lähmung der Hinterbeine eingeschläfert werden. Der Reiter blieb nahezu unverletzt. Beim Pfingstturnier in Wiesbaden war das Pferd King Artus von Team-Olympiasieger Dirk Schrade (Sprockhövel) tot zusammengebrochen.
Nach Meinung von Peta wird in Luhmühlen fahrlässig gehandelt. Für die Tierschutzorganisation sind das keine Einzelfälle. „Die Wettkämpfe sind für die Pferde eine Tortur. Das ist schon im System der Prüfungen so angelegt“, meint Haferbeck.
Für Horst Karsten, zweimaliger Olympia-Dritter und ehemaliger Vielseitigkeits-Bundestrainer aus Delmenhorst, sind die Vorwürfe haltlos. „Fahrlässig ist das auf keinen Fall“, sagt der 77-Jährige. Die Belastung für die Pferde sei zwar hoch, „aber dafür werden sie lange ausgebildet. Wenn ein Pferd nach Luhmühlen kommt, dann ist es topfit“, erklärt Karsten.
Bundestrainer Hans Melzer wies den Vorwurf der Tierquälerei ebenfalls entschieden zurück. „Man muss die Fälle einzeln sehen“, sagte Melzer. So sei die Stute P’tite Bombe schon nach wenigen Minuten im Gelände gestürzt: „Da kann man nicht von einer körperlichen Überforderung sprechen.“
Einig sind sich Karsten und Melzer, dass der Sport in den vergangenen Jahren sicherer geworden sei. „Auf den Turnieren wird sehr viel getan. Vor der Dressur wird jedes Pferd tierärztlich abgenommen, danach noch einmal. Genauso beim Geländeritt und dem Springen. Besteht ein Pferd die Verfassungsprüfungen nicht, wird es rausgenommen“, sagt Karsten.
Auch technisch hat sich viel getan. So wurde der Geländeritt bei Olympia enorm verkürzt. Beim Hindernisbau gab es ebenfalls einschneidende Veränderungen. Lautete das Motto vorher „hoch und weit“, gibt es jetzt schmalere Hindernisse. „Heute sind die Sprünge so gebaut, dass die Pferde sich notfalls vorbeireiten können“, erklärt Karsten. Den Veranstaltern könne man keinen Vorwurf machen, meint der Delmenhorster: „Der Reiter hat es in der Hand.“ Und mit Blick auf Emeric George ergänzte er: „Für den Reiter ist es besonders schlimm. Man macht sich Vorwürfe, wenn so etwas passiert.“
