Hagen - Ein Professor macht keine Fehler, das ist doch klar. „Desperados hat keine Schwächen. Wenn es einen Schwachpunkt bei uns gibt, dann bin ich das, er ist ein richtiger Dressur-Professor geworden“, sagte Kristina Bröring-Sprehe, und ihre strahlend blauen Augen blitzten vergnügt.
In Hagen am Teutoburger Wald blieben die beiden an diesem Wochenende nahezu fehlerfrei. Am Ende ihres Weges durch die grüne Saison wollen die 29-Jährige aus Dinklage (Kreis Vechta) und Desperados im August in Rio de Janeiro Britanniens Dressur-Queen Charlotte Dujardin und ihrem Superpferd Valegro den Nimbus der Unbesiegbarkeit nehmen.
Souveräne Siege
Die Mission Olympia ist in Hagen angelaufen, und sie läuft bestens. Souverän gewannen „KBS“ und Desperados Grand Prix und Grand Prix Special, in beiden Prüfungen am Freitag und Sonnabend lagen sie als einzige über 80 Prozentpunkten (82,800 und 81,705). Im Special leisteten sich die beiden nur einen Lapsus in den Zweierwechseln. „Das nehme ich aber auf meine Kappe“, sagte die EM-Zweite von Aachen: „Ich habe zu schnelle Hilfen gegeben, deshalb dachte Desperados, wir wären schon bei den Einerwechseln.“
Die lange Sport-Pause für den 15-jährigen Hannoveraner Rappen scheint sich auszuzahlen, seit der EM im August 2015 in Aachen war Desperados nur als Deckhengst und im Training im Einsatz. Die Hallentour ließen die beiden komplett aus, dennoch blieb Kristina Bröring-Sprehe die Nummer eins der Dressur-Weltrangliste. Über die Wintersaison arbeitete sie mit Hilfe von Bundestrainerin Monica Theodorescu vor allem an den Übergängen. „Die sind viel besser geworden“, sagte sie, „Desperados kennt die Aufgaben mittlerweile fast besser als ich.“
In perfekter Haltung schwebte das Paar in Hagen durchs Viereck, die Einheit aus Mensch und Tier harmonierte, die Wertungsrichter votierten entsprechend hoch. Dennoch bleibt Luft nach oben, und deshalb soll sich Desperados in den kommenden fünf Wochen erstmal wieder sammeln. „Er war hier total konzentriert, deshalb fahren wir ihn jetzt ein bisschen runter, damit er in Balve wieder in Topform ist“, meinte Kristina Bröring-Sprehe.
Anfang Juni folgt DM
Im Sauerland finden am ersten Juni-Wochenende die deutschen Meisterschaften statt, und dort soll Desperados erstmals seit Aachen wieder in der Kür gehen. In Hagen hatte der Hengst nach Grand Prix und Grand Prix Special Feierabend. „Er kriegt jetzt zwei Wochen Pause mit viel Abwechslung im Gelände“, erklärte Bröring-Sprehe: „Hauptsache, er sieht was anderes und kriegt seinen Kopf wieder frei.“
Und bleibt in den kommenden Wochen und Monaten fit und gesund. „Ja“, sagt Bröring-Sprehe, „das ist natürlich immer meine allergrößte Sorge.“ Schließlich hatte sie „noch nie so ein wunderbares Pferd wie Desperados, er ist mein Ein und Alles“. Ehemann Christian wird’s verstehen.
Derweil hat der Schwede Patrik Kittel das Turnier in Hagen als erfolgreichster Starter in der Dressur abgeschlossen. Nach seinem Sieg im Grand Prix am Sonnabend gewann er am Sonntag im Sattel von Deja auch die Kür. Von den Richtern erhielt er 80,300 Prozent. Zweite wurde die 30 Jahre alte Jessica von Bredow-Werndl (Tuntenhausen) mit Zaire (79,500), gefolgt von Fabienne Lütkemeier aus Paderborn mit D’Agostino (77,050).
