WARENDORF - Den deutschen Reitern droht ein stressiger Sommer. Erst vom 13. bis zum 15. Juli wird die unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die Befragung der Spitzenreiter vornehmen. Dann soll Licht in das Dunkel der Doping-Anschuldigungen kommen. Das teilte die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mit.
Ursprünglich sollten die Anhörungen durch die Kommission um den früheren Bundesverfassungsrichter Udo Steiner viel früher beginnen. Ende Juni wollte man erste Ergebnisse vorlegen, nachdem Ende Mai die Olympiakader für Springen, Dressur und Vielseitigkeit aufgelöst worden waren. Nur wer vor der Kommission besteht, darf zurück in den Kader.
„Mit dem Termin habe ich nicht gerechnet. Doch das ist ja kein Wunschkonzert“, sagte Ludger Beerbaum (Riesenbeck). Der viermalige Olympiasieger ist besonders betroffen. Wegen seiner Äußerungen zum Umgang mit Medikationen wurde er bis zur Anhörung für den Nationenpreis gesperrt, diese Zwangspause verlängert sich nun.
Außer Reitern werden auch Funktionäre befragt, um sämtliche Vorfälle um Medikationen deutscher Pferde seit Olympia 2008 zu klären.
Die FN verteidigte die Terminierung: „Die Mitglieder müssen sich einen umfassenden Überblick verschaffen“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.
Schwierig werden dadurch die Planungen der Bundestrainer für die Europameisterschaften. „Das macht die Situation für mich noch schwieriger“, sagte Springreiter-Trainer Otto Becker. Der späte Termin spreche für die Gründlichkeit, erklärte er.
Die Befragungen beginnen erst nach dem CHIO in Aachen. Nach dem wichtigsten deutschen Reitturnier Anfang Juli werden normalerweise die EM-Teams der Spring- und Dressurreiter benannt. Die Titelkämpfe der Disziplinen Springen und Dressur sind vom 25. bis zum 30. August in Windsor. Die Vielseitigkeits-EM findet Ende September in Frankreich statt.
Derweil schlug Turnier-Veranstalter Volker Wulff (Leipzig) im Anti-Doping-Kampf die Anwendung von Datenchips bei Pferden vor. Das Speichergerät könnte genaue Angaben über die Medikationen bei den Vierbeinern liefern. Jeder Tierarzt müsse danach seine Behandlung in den Pass eintragen, und der Reiter bekäme eine Wirkungszeit genannt, in der das Pferd nicht starten dürfe.
