WARENDORF - Neue Details, weitere Ermittlungen und Rücktrittsforderungen: Ein Jahr nach den Olympischen Spielen stürzt die umstrittene Behandlung von Marco Kutschers Hongkong-Pferd Cornet Obolensky die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) immer tiefer in die Krise.

Vor allem Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau gerät immer stärker unter Druck, weil er sich damals im Stall-Gebäude aufhielt, als der Hengst eine Spritze mit nicht erlaubten Substanzen bekam und kurzzeitig zusammensackte. „Wir verlangen Aufklärung“, sagte Volker Wulff, einer der wichtigsten Turnierveranstalter. Inzwischen hat sich auch eine verbandsinterne Opposition gebildet.

Peter Danckert, Präsident des Landesverbandes Pferdesport Berlin-Brandenburg, hat bereits mehr oder weniger unverhohlen personelle Veränderungen gefordert. „Da der Reitsport ... jetzt auf eine nachdrückliche Weise zu leiden beginnt und Schaden nimmt, glauben wir, dass wir handeln müssen - und wir werden handeln“, sagte Danckert im WDR-Fernsehen.

Der Spitzenfunktionär, zugleich Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, erklärte weiter: „Fakt ist, dass die Dinge, die sich in Hongkong auf der Stallgasse abgespielt haben und danach uns nicht wahrheitsgemäß mitgeteilt worden sind.“ Neben dem FN-Präsidenten steht auch Reinhard Wendt unter Beschuss, der in Hongkong Delegationsleiter war.

Der Problemfall Cornet Obolensky wurde lange verheimlicht, ein Verbandsverfahren trotz belastender Fakten in einer selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung (Martens-Bericht) abgelehnt.

Die FN hatte sämtliche Kader-Reiter durch eine unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB) zu Doping und zu unerlaubten Medikationen befragen lassen. In einer ersten Berurteilung der Kommission kamen alle Reiter aber glimpflich davon.

Gilbert Böckmann hat derweil die dritte Station der Riders Tour gewonnen. Beim Turnier der Sieger in Münster war der Lastruper im Großen Preis auf No Father's Girl der schnellste Reiter. In 40,04 Sekunden ließ er seinen Konkurrenten keine Chance. Zweiter wurde der Niederländer Jeroen Dubbeldam mit Simon in 40,78 Sekunden. Auf Platz drei folgte der Schweizer Beat Mändli mit Louis (41,73).