WARENDORF - Nächster Schock für Isabell Werth: Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin (Rheinberg) soll neben ihrer sechsmonatigen Sperre durch den Reiter-Weltverband FEI wegen Dopings zusätzlich für ein Jahr aus dem deutschen Kader verbannt werden. Das ist die zentrale Empfehlung der Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die am Dienstag in Warendorf ihren Abschlussbericht vorlegte.
„Wir werden den Empfehlungen der Kommission folgen“, sagte Generalsekretär Soenke Lauterbach von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Damit würde die 40-Jährige bis 2010 aus dem deutschen Dressur-Spitzenkader ausgeschlossen.
„Ein Jahr nicht im Kader zu sein, ist eine Enttäuschung, das ist klar, der Verband hat da so seinen ganz eigenen Stil“, sagte Werth, reagierte aber relativ gefasst: „Ich gehe davon aus, dass ich 2010 dennoch wieder Turniere reiten kann, auch wenn ich für die Nationalmannschaft gesperrt bin.“ Die zurzeit schwangere Doppel-Weltmeisterin war Anfang September von der FEI für sechs Monate bis zum 22. Dezember gesperrt worden. Bei ihrem Pferd Whisper war das Psychopharmakon Fluphenazin nachgewiesen worden. Die Gefährlichkeit des Dopingmittels würde die Forderung nach der Sperre rechtfertigen, so die Kommission. Werths Anwalt Ulf Walz betonte, man werde sich alle rechtlichen Mittel vorbehalten.
Wie zuvor schon bei Ludger Beerbaum, Marko Kutscher und Daniel Deusser wurden auch für Springreiter Rene Tebbel Auflagen empfohlen. Er soll wie seine drei Kollegen bis zum 31. Dezember 2011 jede Medikation seiner Pferde mit dem deutschen Mannschaftstierarzt abstimmen. Die Kommission bestätigte zudem die Sanktion für Springreiter Christian Ahlmann, der nach seinem Dopingfall vom Verband für alle deutschen Teams zwei Jahre gesperrt worden war.
Unter Vorsitz des Ex-Verfassungsrichters Udo Steiner hatte die Kommission 84 Reiter und 15 Funktionäre befragt. Generell sei die Situation im deutschen Reitsport „strukturell nicht unredlich“, sagte Steiner, allerdings gebe es „einzelne Brandherde.“ Gleichzeitig wurde bei Medikationen der Erhalt der Null-Lösung gefordert, so dass die Forderung vieler Reiter nach der Legitimierung einzelner Medikationen unerfüllt blieb. „Alles andere würde zu Konflikten mit dem Tierschutz führen“, so Steiner.
