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Hanekamp-Busreisen Cloppenburg: Das traurige Ende einer Traditionsfirma

09.05.2020

Cloppenburg Nach mehr als 65 Jahren steht das Cloppenburger Unternehmen Hanekamp-Busreisen vor dem Aus. Das geht aus einem anonymen Brief von Teilen der Mitarbeiterschaft hervor, der am Donnerstag der NWZ zugespielt worden ist. Dass der Eigentümer – die DB Regio Bus Nord – den Fahrbetrieb am Standort Cloppenburg zum 31. Juli einstellen wird, war dieser Zeitung bereits im Vorfeld von einem Insider und mehreren Fahrern bestätigt worden.

Vier Nachfolgefirmen

In einer Telefon-Betriebsversammlung habe die Geschäftsführung am 5. Mai den Mitarbeitern erklärt, dass ab dem 1. August die Linienkonzessionen in den Kreisen Cloppenburg und Vechta sowie die Auftragsverkehre im Bereich Damme und Hunteburg an die Mitbewerber Wilmering (Vechta), Schomaker (Lohne), Nienaber (Sedelsberg) und Kohorst (Dinklage) verkauft würden. Der Betriebshof an der Daimlerstraße in Cloppenburg werde geschlossen, die Verkehre im Bereich Ammerland und in der Stadt Oldenburg zwar fortgeführt, aber zeitnah in die Weser-Ems-Bus GmbH (Bremen) überführt. Diese ist ebenfalls eine Tochterfirma der DB Regio Bus.

Den mehr als 100 Hanekamp-Mitarbeitern sei – so die Verfasser des Briefs – angeboten worden, im DB-Konzern an anderer Stelle weiterzuarbeiten. Für viele ist das – wenn man sich unter den älteren Fahrern umhört – keine Option. Denn das bedeutet Umzug, die allermeisten Beschäftigten sind seit vielen Jahren mit ihren Familien aber hier sesshaft geworden. Für diejenigen Mitarbeiter, die den Konzern verlassen wollen, will die Geschäftsführung in Hamburg mit Betriebsrat und Gewerkschaften einen Sozialplan ausarbeiten und eine Abfindung zahlen.

Sozialplan

Da der Arbeitsmarkt der Busfahrer leer gefegt sei – so ein Branchenkenner – gebe es gute Möglichkeiten, bei den Hanekamp-Nachfolgern angestellt zu werden. Diese kämen zwar mit genügend eigenen Fahrzeugen, aber eben nicht mit der entsprechenden Anzahl an Fahrern. Zu welchen Bedingungen die Fahrer angestellt würden, sei völlig unklar. Viele, vor allem langjährig Beschäftigte, fürchteten in Sachen Tarif wieder ganz unten anfangen zu müssen. Zudem – so der Insider – habe Hanekamp immer überdurchschnittliche Löhne bezahlt.

In ihrem anonymen Brief werfen die Hanekamp-Beschäftigten dem DB-Konzern schwere Management-Fehler vor: „Die Mitarbeiter sind verbittert und wütend, dass ein so erfolgreiches Traditionsunternehmen durch Missmanagement und Arroganz der DB-Führung gegen die Wand gefahren wurde.“

Strukturen kaputt

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Emotionslose Liquidierung

Die Misere hat nach Meinung von großen Teilen der Mitarbeiterschaft bereits mit dem Verkauf des Unternehmens – mit seinerzeit 80 Bussen und fast 100 Beschäftigten – an die Weser-Ems-Bus GmbH (eine 100-prozentige Tochter der Bahn) im Jahre 2002 begonnen. In den folgenden Jahren sei der Betrieb infolge vieler Bahnreformen immer wieder umstrukturiert worden. Die Buchhaltung habe sich zuerst in Kiel, dann in Berlin befunden, die Disposition und Fahrerplanung erst in Walsrode und jetzt in Bremen. Die Lohnabrechnungen kamen aus Essen (Ruhr), später aus Berlin. Das Reisegeschäft wurde von Hamburg aus betreut. Busse und Diesel wurden vom hessischen Weiterstadt aus beschafft: Alle „erfolgsrelevanten Abteilungen“ seien somit aus Cloppenburg abgezogen worden.

Der Vertrag des erfolgreichen und unbescholtenen Geschäftsführers Heinz Janßen, der 37 Jahre im Unternehmen tätig war, sei 2010 einfach nicht verlängert worden. Man habe den Mann – so vermuten die Verfasser des anonymen Briefs – vom Hof gejagt, „weil er sich zu sehr für Hanekamp-Busreisen eingesetzt und versucht hatte, sinnlose Entscheidungen des DB Konzerns vom Unternehmen abzuwenden“.

Wenig Kompetenz

Den Nachfolgern sei es nicht anders ergangen, „sie schafften zum Teil nicht einmal die Vertragslaufzeit von drei Jahren“. Ohne kompetente Ansprechpartner vor Ort hätten Auftraggeber und Kunden zuerst im Reisegeschäft und dann im wichtigen Linienmarkt dem Unternehmen den Rücken gekehrt. „Die Entscheidungsträger der Bahn saßen viel zu weit weg und kannten die Verhältnisse vor Ort nicht. Und die erfolgreichen Cloppenburger Mitarbeiter vor Ort hatte man vom Hof gejagt. Mit der Devise wenig Service und hohe Preise verlor man eine Linienausschreibung nach der anderen.“

Bahn sagt nichts

Mit diesen Vorwürfen, über die Insider und Fahrer bereits vor dem anonymen Brief die NWZ informiert hatten, konfrontierte diese Zeitung die zuständige Bahnpressestelle in Hamburg bereits am 24. April in einer acht Fragen umfassenden E-Mail. Drei Tage später antwortete das Unternehmen darauf mit einem einzigen Satz. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen können.“

Dabei habe die Geschäftsführung – so die Mitarbeiter in dem anonymen Brief – bereits im Februar über Betriebsrat und Filialleiter das Ende angekündigt. Keiner der Vorstände der DB Regio Bus Nord in Hamburg habe den Mut und den Anstand gehabt, vor die Belegschaft zu treten. „Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft EVG waren völlig überfordert und leisteten bis heute keinerlei Gegenwehr.“

Landkreis weiß nichts

Und auch den Landkreis Cloppenburg, der unter anderem Hanekamp mit der Bus-Beförderung beauftragt hat, weiß nichts: Dem Landkreis Cloppenburg sei nicht bekannt, dass der Betriebshof Hanekamp zum 31. Juli geschlossen werden soll, erklärte Pressesprecher Frank Beumker. Die Kreisverwaltung habe auch keine Informationen darüber, dass die Hanekamp- Konzessionen von Mitbewerbern übernommen würden.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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