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NWZonline.de Plus PLUS Cloppenburg

Maskenwerkstatt In Marienschule: Cloppenburger Schule näht Masken für Unterrichtsbeginn

27.04.2020

Cloppenburg Jeden Morgen um 8.30 Uhr das gleiche Ritual. Vermummte Gestalten setzten sich an Nähmaschinen, andere Vermummte an Schnittmuster, weitere überprüfen die Nähte oder bügeln Stoff. Zwischen ihren Beinen wuselt Lissy, eine Mischung aus einem Deutsch-Drahthaar und Jack-Russell-Terrier, herum und fordert mit Nachdruck ihre Streicheleinheiten ein. Was aussieht wie die Herstellung von Equipment für einen Banküberfall oder die Vorbereitung für einen großen Faschingszug, spielt sich in mehreren Klassenräumen der Marienschule ab. Und trotz guter Stimmung näht die Gruppe nicht für ein Freizeitvergnügen, sondern für einen nützlichen Zweck. Am Ende der kleinen Produktionsketten stapeln sich Mundschutze für die Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte der kirchlichen Oberschule.

Bei den Schulen der bischöflichen Schulstiftung St. Benedikt herrscht, anders als bei anderen Schulen, für jeden, der sich im Gebäude bewegt, Maskenpflicht, erklärt Schulleiterin Simone Hegger-Flatken. „Die nähen wir uns hier selbst“, beschloss die Schulleitung deshalb. Ab heutigem Montag begrüßen die Lehrkräfte die zehnten Klassen und einige Neuntklässler zurück in den Klassenräumen.

15-köpfige Gruppe näht

Innerhalb kürzester Zeit war alles organisiert. Unter Leitung von Christine Plitzko hat sich eine 15-köpfige Gruppe gefunden, die jetzt jeden Tag Masken näht. Angefangen hatte es mit den Mensakräften, nach einem Facebook-Aufruf der Schulleiterin meldeten sich auch Mitglieder des Kollegiums, der Elternschaft und einige Schüler. Einer von ihnen ist Tim. Dem Neuntklässler kommt jetzt zugute, dass er im Wahlpflichtkurs Textil schon gelernt hatte, mit Nähmaschinen umzugehen. Mundschutznähen ist ihm allerdings neu.

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Seine Mitschülerin Paula aus der 8. Klasse steht am Bügelbrett. „Das mache ich zu Hause auch oft“, sagt sie. Auch für Ungelernte gibt es Arbeit. Marcel Wolf, im richtigen Leben Lehrer für Sport und Englisch, arbeitet die Nähte aus. „Im Nähen bin ich normalerweise nicht so drin“, lacht er. Zur Aktion hat er sich trotzdem sofort gemeldet. „So wird Schule wieder persönlicher. Das finde ich super.“

Zehn Nähmaschinen

Zehn Nähmaschinen hat die Schule. Christine Plitzko, eigentlich Fachlehrerin für Deutsch und Englisch, profitiert jetzt von ihrer ersten Ausbildung zur Schneiderin. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch mal gebrauchen kann, aber für irgendwas ist es doch immer gut“, lacht sie.

Die Schablone für das Schnittmuster hat sie selbst entwickelt. Stoff und große Mengen an Gummiband konnte sie noch kaufen. Doch über Stoffspenden aus Baumwolle freut sie sich immer. „Hauptsache, der Stoff ist bei 60 Grad waschbar.“

Man kann dafür alte Gardinen oder Bettwäsche nehmen. Farbe und Muster sind egal. Je bunter, umso witziger. „Und sollte uns das Gummiband ausgehen, schneiden wir aus den Stoffbahnen lange Schnüre zum Zubinden hinter dem Kopf.“ Vielleicht sind Schnüre sogar besser als Gummis, die biegen auf Dauer die Ohren um. „Aber das sieht man bald nicht mehr wegen unserer langen Haare“, witzelt Hegger-Flatken. Einer ihrer Kollegen hat in dem Fall Pech. Er trägt Glatze.

20 Minuten Produktion

20 Minuten Produktionszeit braucht eine Maske. Circa 200 Masken werden ab heute gebraucht, für jeden sollen genau zwei Masken zur Verfügung stehen. „Das müssten wir hinbekommen“, meinte Plitzko. Um aber alle Schüler und Lehrer vorschriftsmäßig ausstatten zu können, bräuchten sie rund 1300. „Das schaffen wir wohl nur, wenn wir noch mehr Unterstützung von Eltern und Kollegen bekommen, die zuhause nähen“, sagt sie. Noch mehr Home-Office.

Bis es soweit ist, rattern in der Marienschule fleißig die Nähmaschinen. Parallel dazu hat die Schulleitung einen detaillierten Hygieneplan erstellt. Er definiert, welche Ein- und Ausgänge jede Klasse benutzt, welche Klassenräume, Toiletten und Pausenräume. Hauptsache alles getrennt. Dazu werden Desinfektionsspender im ganzen Schulgebäude verteilt. Um jeden Klassenraum damit auszustatten, dazu wird es nicht genug geben, weiß Hegger-Flatken. „Wir haben aber den großen Vorteil, dass wir über eigenes Reinigungspersonal verfügen“, sagt sie. Am Ende des Besuchs nimmt sie ihre Maske wieder ab. „Auf Dauer wird es doch ganz schön warm darunter“, stöhnt sie leicht. Aber ihr Gesicht strahlt. „Ich bin echt stolz auf alle, die mitmachen. So eine Aktion zeigt den Geist unserer Schulgemeinschaft.“

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