Emden - Haben Sie sich schon einmal bei einem Besuch eines Museums gefragt, welche Geschichte hinter dem ein oder anderen ausgestellten Objekte steckt und wem es gehörte? Die „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer“, die sich vor 202 Jahren in Emden gründete und deren Sammlung größtenteils im Ostfriesischen Landesmuseum zu sehen ist, hat sich die Beantwortung der oben genannten Frage zur neuen Aufgabe gemacht. Auf einer Fläche direkt im Eingangsbereich will der viertälteste Kunst- und Kulturverein Deutschlands die besonderen Geschichten einzelner Exponate aus seiner Sammlung neu erzählen. In Kooperation mit dem Kunstverein stellt diese Zeitung die „Objekte des Monats“ vor.
Den Auftakt macht die Logbuchdose des Segelschiffs „Alliance“.
Der Voyage Data Recorder (VDR), eine Black Box für Schiffe, entlarvte die Falschaussagen des Kapitäns der „Costa Concordia“, jenes Kreuzfahrtschiffes, das 2012 vor der italienischen Insel Giglio havarierte. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. Der VDR zeichnet nicht nur das Datum, die Position, den Kurs, die Geschwindigkeit, die Daten der Navigationsgeräte und Maschinen auf, sondern auch alle Gespräche auf der Brücke. Als Vorläufer des VDR könnte die flache, dunkelgrün lackierte Blechdose, deren Deckel mit einem kleinen Vorhängeschloss abgeschlossen werden kann, betrachtet werden. Sie hatte den Zweck, das Logbuch des in Ostfriesland beheimateten Segelschiffs „Alliance“, einer Schonergaliot, aufzubewahren und vor Meerwasser zu schützen, um sie nach Ankunft im Heimathafen der Reederei zu übergeben.
Im Logbuch wurden chronologisch alle nautischen und die Besatzung betreffenden Ereignisse schriftlich
festgehalten. Die Aufzeichnungen dienten wie heute der Stimmenrekorder als Grundlage bei See-Gerichtsverhandlungen.
Die „Alliance“ sank, schwer leck geschlagen und mit gebrochenem Mast, am 9. März 1878 rund 30 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum.
Wie und wann die Logbuchdose Eigentum der „Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische
Altertümer“ wurde, ist nicht geklärt. Keiner der Eigentümer oder Kapitäne der „Alliance“
ist je Mitglied von „1820dieKunst“ gewesen.
Die Logbuchdose ist bis zum 24. April ausgestellt.
Das Ostfriesische Landesmuseum kehrt am Freitag, 1. April, wieder zu seinen regulären Öffnungszeiten zurück. Das Haus ist dann dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
