Emden - Das ging allen im ausverkauften Saal zu Herzen: Als Jury-Vorsitzende Lucia Eskes am Freitagabend in der Johannes a Lasco Bibliothek das Animationsabenteuer „Rohrpost Reloaded“ um das kecke Berliner Rattenmädchen Charlie zum Gewinner des Emder Drehbuchpreises 2022 erklärte, da flossen bei Ulrich Krenkler Tränen des Glücks. Auch seine Münchner Mitautorin Angelika Hacker war sichtlich überwältigt. Auch, als sie die mit 10.000 Euro dotierte „Engelke“-Trophäe schon in Griffweite hatten, mussten sie sich noch einmal ungläubig umarmen. So sieht wahre Freude aus.
Ein immer noch gerührter Ulrich Krenkler mit Schreiber-Partnerin Angelika Hacker auf dem Weg zur Trophäe, überreicht von Sabrina Bretzler (Spedition Weets, ganz links) und Jury-Vorsitzende Lucia Eskes (2.v.l). Foto: Torsten von Reeken
„Es war so eine lange Reise“, sagte Hacker, die am Mikro – immer noch ergriffen – das Reden übernahm. Und gerade weil diese Geschichte von ihrer Art her doch eher aus dem Rahmen falle, hätten sie diesen Erfolg im Finale der besten Drei so nicht erwartet. Doch für die vom Grimme-Institut in Marl berufene Fachjury war die Sache klar. Die Abenteuergeschichte einer Ratten-Familie in der Berliner Kanalisation, die vor dem Hintergrund der 1920er-Jahre ums Überleben kämpft und in der Rohrpost ein neues Geschäftsmodell entdeckt, war einfach das beste Drehbuch der insgesamt 65 Einreichungen.
Liebenswürdige Figuren
Das Buch, in dem sich Rattenmädchen Charlie mit ihrer Lebensmittel-Lieferdienst-Idee auch in einer rattenmänner-dominierten Welt durchsetzen muss, sei ein Plädoyer „für Empowerment, Vielfalt und Toleranz, mit liebenswürdigen Figuren, wahrhaften Dialogen, feinem Humor und liebevollen Details“. Den Autoren gelinge ein interessanter Perspektivwechsel, ein Abenteuer, gleichermaßen unterhaltsam für Kinder und Erwachsene.
War erstmals Ort der Drehbuchpreis-Verleihung: die Johannes a Lasco Bibliothek. Foto: Torsten von Reeken
Wie das später im Film mal werden könnte, hatten zuvor die Schauspieler Anjorka Strechel („Morden im Norden“) und Tom Wlaschiha („Game of Thrones“) im Verbund mit Vivien Bender, Leiterin der Stadtbücherei und Koordinatorin der Emder Vorauswahl-Kommission, lebendig und zauberhaft zum Klingen gebracht. Doch bis zu einer Verfilmung des Stoffs, für dessen Entwicklung Hacker und Krenkler schon drei Jahre gebraucht haben, wird es noch eine weitere lange Reise werden. Zwar wurde ihr Projekt schon vom Kuratorium junger deutscher Film und der Kulturstaatsministerin gefördert. „Aber wir brauchen jeden Preis für dieses Projekt, weil es ein komplett computer-animierter Film in 3D werden soll, das ist zehnmal so teuer wie ein normaler Film“, sagte Krenkler hinterher im Gespräch. Der Emder Drehbuchpreis sei für sie daher nicht nur eine Riesenanerkennung, ergänzte Hacker. „Er hat auch Strahlkraft in der Filmwirtschaft.“
Mit je 1000 Euro wurden zudem die fürs Finale nominierten Drehbücher „Smaragd“ von Jovan Arsenic und „Bis hierhin und nicht weiter“ von Niklas Pollmann ausgezeichnet. Vergeben wurde der Emder Drehbuchpreis bereits zum 17. Mal, zum zwölften Mal war die Spedition Weets der Preisstifter.
