Emden - Die 4-Tage-Woche erlebt aktuell einen wahren Boom als neues, alternatives Arbeitszeitmodell zum herkömmlichen 40-Stunden-Modell. Erste Handwerksbetriebe und Einzelhändler in Emden und Ostfriesland setzen bereits auf eine Kombination aus vier Arbeits- und drei freien Tagen. Damit wollen die Betriebe vor allem dem Fachkräftemangel begegnen.
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Denn, so ihre Hoffnung, zufriedene Mitarbeiter bleiben der Firma treu und neues, engagiertes Personal lässt sich mit dem Versprechen von mehr Freizeit leichter finden. Wir wollten wissen, wie sich dieses Modell auf die einzelnen Arbeitsbereiche auswirken kann. Wo ist eine 4-Tage-Woche möglich und wo gehen Unternehmen andere Wege, um ihre Mitarbeiter zufriedenzustellen. In loser Reihenfolge werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Branchen und fragen, wie sich die Arbeitswelt von morgen besonders attraktiv gestalten lässt.
Betrieb kann sich vor Bewerbern nicht retten
Richtig Schwung bekam das 4-Tage-Modell vor Kurzem, als der Auricher Mode- und Möbelhändler Rudnick in der Emder Zeitung und im Sonntagblatt neue Mitarbeiter gesucht hat. Das Angebot war verlockend: Vier Tage arbeiten, drei Tage frei. Und das bei voller Bezahlung. Wie berichtet, konnten sich die Personalverantwortlichen danach vor Bewerbungen nicht retten.
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Sogar Menschen, die in festen und sicheren Arbeitsverhältnissen standen, haben sich für dieses Arbeitsmodell entschieden und eine Bewerbung eingereicht. So gab es deutlich mehr Bewerber als freie Stellen. Und auch die Qualität der Bewerber war hoch, hieß es.
Heizungsbauer setzt auf neues Modell
Ebenfalls auf die 4-Tage-Woche setzt jetzt auch ein Pewsumer Handwerksbetrieb. Heizungsbauer Thomas Hoogestraat führt ab dem 1. September für alle Monteure die 4-Tage-Woche ein. Dabei wird in zwei Teams einmal von Montag bis Donnerstag und einmal von Dienstag bis Freitag gearbeitet. Die fehlenden Stunden werden auf die vier Tage draufgeschlagen, wodurch künftig neun statt acht Stunden pro Tag gearbeitet wird.
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Während sich Einzelhandel und Handwerk nach und nach auf das nicht neue, aber gerade sehr hippe Arbeitszeitmodell einstellen, scheint es in der Industrie nach wie vor andere Wege zu geben. Bei Volkswagen ist man der Meinung, dass gute Arbeitsbedingungen und eine ebenfalls gute Work-Life-Balance die Arbeitgeberattraktivität maßgeblich beeinflussen. „Die Vier-Tage–Woche kann eine Möglichkeit sein, die Arbeitswelt besonders attraktiv zu gestalten. Volkswagen setzt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch insbesondere auf die Flexibilisierung der Arbeitsmodelle“, sagte Indra van Schwartzenberg, Pressesprecherin des Emder Werks auf Anfrage.
Hybrides Arbeiten und eine Auszeit
VW hat da eine ganze Palette an verschiedenen Modellen und Angeboten, um die eigene Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Dazu gehören auch verschiedene Teilzeitmodelle in den Verwaltungs- und Produktionsbereichen. Außerdem besteht im Büro die Möglichkeit, hybrid zu arbeiten. Bis zu vier Tage pro Woche können Beschäftigte mobil arbeiten. Können also Homeoffice statt Büro wählen. VW spricht hier von einer „ausbalancierten Verteilung von mobiler Arbeit und Arbeit im Büro“. So würden Bedürfnisse von Unternehmen und Belegschaft in Zeiten zunehmender Digitalisierung vereinbart. Außerdem gibt es mit dem Programm „MeineAuszeit“ die Möglichkeit, sich drei bis sechs Monate frei zu nehmen, bei weiterer Auszahlung des Gehalts. „Das Angebot wird über alle Standorte und Beschäftigungsgruppen hinweg sehr gut angenommen“, betonte die Pressesprecherin. Die Mitarbeiter nutzen diese Freistellung beispielsweise, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, lange geplante private Projekte umzusetzen oder sich individuell weiterzubilden.
Kein Thema auf der Meyer Werft
Kein Thema ist das Modell der 4-Tage-Woche derzeit auf der Papenburger Meyer Werft. „Wir haben seit Jahren die 35-Stunden-Woche für alle Mitarbeiter und arbeiten damit sehr gut“, sagte Werftsprecher Peter Hackmann auf Anfrage dieser Redaktion. Hackmann verwies darauf, dass die Werft tarifgebunden sei und den Mitarbeitern neben der 35-Stunden-Woche auch 30 Tage Urlaub zustehen. Eine Verkürzung oder Zusammenfassung der Arbeitszeit auf weniger Tage in der Woche sei auch in der Belegschaft aktuell nicht im Gespräch. Die Werft verwies darauf, dass die Mitarbeiter alle Vorteile der Tarifbindung genießen.
