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Zum 50-jährigen Jubiläum Hintes ein Rückblick Es war ein Start mit Hindernissen

Rückblick auf Hintes Anfänge: Dieter Harberts mit dem Buch zum 1000-Jährigen des Dorfes.

Rückblick auf Hintes Anfänge: Dieter Harberts mit dem Buch zum 1000-Jährigen des Dorfes.

Bild: Axel Pries

Hinte - Wenn im Sommer Hintes Einwohner auf dem Bürgerfest das 50-jährige Jubiläum ihrer Gemeinde feiern, ist wohl kaum jemandem bewusst, dass mal alles anders war. Dass nicht acht Dörfer sich um ein Rathaus scharten, sondern jedes eine eigene Verwaltung hatte – mit Vorteilen, aber wachsenden Nachteilen. Die große Gemeindegebietsreform von 1972 erst hat die heutige Einheitsgemeinde geschaffen. Das ging nicht ohne Diskussion ab, und fast hätte es Hinte als eigene Gemeinde gar nicht gegeben. Dieter Harberts kann sich an die Debatten jener Jahre gut erinnern. Der 78-Jährige lebt seit der Gemeindegründung in Hinte. Zuvor war er der letzte Samtgemeindedirektor der Krummhörn und hat 1998 an einem Buch mitgewirkt, das Hintes Entwicklung zusammenfasst.

Wie war die Stimmung vor der Reform ?

Der Liebe wegen war Dieter Harberts Ende der sechziger Jahre nach Hinte umgezogen. Zu der Zeit machte man sich bereits Gedanken, ob die alten Gemeindestrukturen noch zeitgemäß sein könnten. „Die Stimmung in Bezug auf die Reform war gut“, erzählt Dieter Harberts, der 1968 mit 25 Jahren in Loquard in den Gemeinderat eingezogen war und dann zum Gemeindedirektor gewählt worden war. Ein Grund war einfach: Die Reform würde den neuen Gemeinden unmittelbar Fördergeld bringen – je größer, desto mehr. Und außerdem sei absehbar gewesen, dass die alten Gemeinden neuen Ansprüchen an die Infrastruktur nicht mehr genügen würden.

Wie sah Hinte vor 1972 aus ?

Nicht anders in Hinte. Schon lange vor 1972 setzten die Kleingemeinden auf Zweckverbände, um kostenintensive Einrichtungen gemeinsam zu finanzieren, zumal Hinte damals bereits als Samtgemeinde mit fünf Einzelgemeinden funktionierte. Gemeinsam unterhielten die Orte den Schulzweckverband. Es gab zudem einen gemeinsamen Feuerlöschverband, einen Kassenverband. An den Zweckverbänden orientierte sich dann vielfach der Zuschnitt der neuen Verwaltungsgebilde. Doch dass Hintes alte Kleingemeinden zu einer neuen verschmelzen, war nicht selbstverständlich.

Wann fiel die Entscheidung pro Hinte ?

Es gab die Alternative, dass die Samtgemeinde und umliegende Dörfer der Stadt Emden zugeschlagen werden. Das war naheliegend, meint Dieter Harberts: „Die meisten fuhren beruflich nach Emden. Emden war das Zentrum.“ So sah das wohl auch die Landesregierung, geht aus dem Buch hervor, das Dieter Harberts in einem Team zum 1000-jährigen Jubiläum der Ortschaft erstellte. Hintes Zukunft war am 14. Juni 1972 Thema einer Landtagssitzung, als darüber entschieden werden sollte, ob „acht nördlich der Stadt Emden gelegene Gemeinden“ eingegliedert werden. Doch der Innenausschuss widersprach dem Antrag der Regierung und entsprach dem Wunsch der Hinteraner: Eine Einheitsgemeinde Hinte mit 7000 Einwohner wurde „für durchaus lebensfähig gehalten“.

Große Investitionen

Dieter Harberts ist in Hinte ein sehr bekannter Mann. Der 78-jährige frühere Bauingenieur lebt seit 1969 in der Gemeinde und war zwar politisch nie aktiv, aber bei vielen Entscheidungen mit dabei. Zudem engagierte er sich in Vereinen, hob dabei auch den Fremdenverkehrsverein mit aus der Taufe und wurde 1993 dessen Vorsitzender. Ein großes Projekt: der Aufbau der Mühle. Der frühere Fußballer ist bis heute im Vorstand von TuS Hinte aktiv.

Geldsorgen begleiten die Gemeinde Hinte vom ersten Tag an, die auch auf große Investitionen zurückgehen. Von 1972 bis 1997 investierte die Gemeinde 87 Millionen DM vor allem in das Kanalnetz und die Dorferneuerung, Straßenausbau und Schulwesen.

Dabei gab es vor Ort schon Zweifel, ob das so klappen würde, erzählt Dieter Harberts. 7000 Menschen, das waren rund 1750 Familien, die Millionen-Investitionen würden stemmen müssen. Es gab keine nennenswerten Betriebe, keinen Tourismus. „Hinte hatte doch sonst nichts.“ Eine finanzielle Klemme begleitet die Gemeinde bekanntlich bis heute.

Dennoch: Am 22. Oktober 1972 gab es die erste Sitzung des neuen Gemeinderats – damals schon mit satter Mehrheit der SPD. Der erste, damals noch ehrenamtliche Bürgermeister war Bernhard Kappher. Erster Gemeindedirektor war ein alter Bekannter: Garrelt Duin. Er hatte bereits die Samtgemeinde geleitet und sollte der Verwaltung mit Unterbrechung über 25 Jahre vorstehen.

Axel Pries
Axel Pries Ostfriesland-Redaktion/Leer
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