Emden - Lange hat der Verein „Lange Aktiv Bleiben“ (LAB) wegen der Pandemie nicht so aktiv sein können, wie es der Name verspricht. Doch jetzt will die Seniorenbewegung, die in diesem Jahr exakt seit 60 Jahren in Emden besteht, wieder neu durchstarten, um mit Kursen und Angeboten der Vereinsamung älterer Menschen entgegenzuwirken.
1962 schlossen sich Emder Senioren der 1958 in Kassel ausgerufenen Lebens-Abend-Bewegung (LAB) an, die später in „Lange Aktiv Bleiben“umbenannt wurde. In Emden entstand eine Gemeinschaft mit eigener Tagesstätte zunächst in der ehemaligen Notkirchen-Baracke der Martin-Luther-Kirche in der Graf-Edzard-Straße. Die damals einzige Begegnungsstätte für alte Menschen wurde zum Vorreiter. In der Folge gründeten viele Vereine eigene Seniorenabteilungen.
Im März 1971 wurde eine neue Tagesstätte im Bentinksweg 30 eingeweiht. Gekauft wurde das Haus vom damaligen LAB-Landesverband Niedersachsen mit besonderer Unterstützung der Stadt. Die oberen Räume waren lange an den paritätischen Wohlfahrtsverband vermietet.
Anfang der 2000er Jahre gelang der Emder LAB-Gemeinschaft nach zeitweiligem Mitgliederschwund dank einer PC-Kurs-Initiative (initiiert von Hermann Züchner) ein neuer Aufschwung. Auch die von Dorothea Züchner vorangetriebenen Frauen-Treffen trugen Früchte. Zwischenzeitlich stieg die Mitgliederzahl auf 170.
2011 beschloss der Landesverband nach dem Auszug des Paritätischen wegen zu hoher Kosten den Verkauf des Hauses im Bentinksweg. Im Juni 2013 wurde die Emder LAB (die nach Auflösung des Landesverbands inzwischen ein eigenständiger Verein ist) im Haus Am Brauersgraben 8 ansässig.
Das heißt zum einen: Die Aktivitäten sind wieder so weit hochgefahren, dass man bereit für Neuzugänge ist. Zum anderen will der Verein um den Vorsitzenden Paul von Häfen die Suche nach einem neuen Domizil wieder aufnehmen. Denn am Raumzuschnitt im Erdgeschoss des Hauses Am Brauersgraben 8 hat sich nichts geändert. Und der lasse eine Weiterentwicklung der Computerkurse und Geselligkeitstreffen oder gar neue Gruppen einfach nicht zu, war sich der Vorstand im Gespräch mit unserer Zeitung einig.
Gruppen füllen sich wieder
Die Nachfrage ziehe aber derzeit spürbar wieder an. Und von den 100 Mitgliedern hat im Lockdown und während der ersten, sehr reduzierten Öffnungsphase keiner dem Verein gekündigt. „Die Gruppen füllen sich wieder“, konstatierte von Häfen erfreut. Gerade auch bei den PC-Kursen – die dank Spenden mit moderner Laptop-Ausstattung, Beamer und verbessertem Wlan-Zugang aufwarten – wird ein Zulauf erwartet. „Wir suchen daher auch weitere Senioren, die selbst ehrenamtlich PC-Kenntnisse vermitteln wollen“, sagte der Vorsitzende.
Weitere Raum-Suche
In Sachen Raum-Suche, die ebenfalls durch Corona unterbrochen wurde, will von Häfen jetzt Kontakt mit der Stadt aufnehmen. „Mal sehen, ob es da Vorschläge gibt.“ In der Vergangenheit gab es zwar Angebote – doch die waren entweder nicht bezahlbar, standen am Wochenende nicht zur Verfügung oder befanden sich in Stadtteilen mit bereits etablierten Seniorentreffs. Die Kosten drücken allerdings auch im jetzigen Altbau aufs Gemüt – speziell mit Blick aufs Heizen in Zeiten der Energiekrise. „Ohne Spenden, nur allein auf Basis der Mitgliederbeträge, lässt sich das nicht finanzieren“, sagte von Häfen.
Seit neun Jahren LAB-Domizil: das Erdgeschoss im Haus Am Brauersgraben 8/Ecke Osterstraße. Neue Räume werden aber gesucht.
Gaby Wolf
Als erste Tagesstätte der 1962 gegründeten Emder Lebens-Abend-Bewegung dienten die ehemaligen Notkirchen-Baracken der Martin-Luther-Kirche in der Graf-Edzard-Straße.
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War von 1971 bis 2013 das Domizil von Lange Aktiv Bleiben: das Haus Nummer 30 im Bentinksweg.
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Ein Bild aus gemeinsamen Ausflugszeiten vor Corona: Angebote wie diese Grachtenfahrt 2018 wurden gut angenommen.
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Geselligkeit mit Genuss 2018: Nach den Grachten ging es zum gemeinsamen Spachteln in den Schützenhof.
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Vor Corona gab es auch ein vielfältiges Ausflugs- und Reiseprogramm: 2017 wurde das Schöpfwerk an der Knock besichtigt.
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War das letzte LAB-Highlight vor der Pandemie: das Grünkohlessen „bei Cassi“ in Rorichum Anfang 2020.
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Vor Corona gab es auch ein vielfältiges Ausflugs- und Reiseprogramm: 2019 ging es an die Mosel.
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Will sich nach reduzierten Aktivitäten auch wieder für Neuzugänge öffnen: die LAB-Tagesstätte (Am Brauersgraben 8).
Gaby WolfVorläufig aber versucht der Verein, aus den drei gemieteten Räumen (plus kleiner Küche und Toilette) im ehemaligen Eckladen eines Polsterers das Beste zu machen. Diese Angebote laufen wieder regelmäßig:
Dienstags 14 bis 17 Uhr: Skatgruppe. Interessierte können unverbindlich vorbeikommen.
Mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr: Frauen-Treff mit Tee, Singen, Klönen, Vorlesen und Denksport. Weitere Frauen, die mitmachen wollen, sind herzlich willkommen.
Jeden zweiten Sonntag im Monat, 15 bis 17 Uhr: Teetrinken und Spiele-Nachmittag für Frauen mit Rommé, Phase 10 und Co. zum Aktivieren der grauen Zellen. Anmeldung bei Anna Roth unter Telefon 04921/56323 – „Kommen und Gucken“ geht aber auch hier.
Die PC-Gruppen finden täglich statt: montags bis freitags jeweils ab 10 Uhr, donnerstags zusätzlich auch ab 15 Uhr. Anmeldung in der LAB (Telefon 04921/22263) bei Paul von Häfen.
Für die Weihnachtsfeier im „Goldenen Adler“ gibt es schon 35 Anmeldungen. Und im kommenden Frühling oder Sommer sollen auch wieder Radtouren stattfinden. Größere Reisen dagegen liegen vorerst weiter auf Eis.
Auf Festivitäten zum 60-jährigen Bestehen allerdings wurde früh verzichtet. „Wir konnten wegen Corona kaum planen, und viele Senioren hatten auch Sorge wegen der Ansteckungsgefahr“, erklärte Schriftführerin Engeline „Lilly“ Müller. Der nächste runde Geburtstag könnte aber 2023 gefeiert werden: zehn Jahre LAB am Brauersgraben.
