Emden - Zum Schluss hielten alle noch einmal kurz den Atem an. Würden sie wirklich schwimmen? Sie schwammen. Gemeint sind die beiden Ruderboote vom Typ Bevin’s Skiff, die 21 Mädchen und Jungen der 10c vom Max-Windmüller-Gymnasium unter Anleitung des Emder Arbeitskreises für historischen Schiffbau in Ostfriesland über Monate selbst gebaut haben. Jetzt fand vor der Vereinswerft auf der Teufelsinsel der Stapellauf der Projekt-AG statt.
Erfolgreiche Jungfernfahrt: Vorne stachen Freya Ulferts, Sofie Harding und Paul Boomgaarden mit „Manfred“ in See, hinten Hannes Bruns, Okka Barghoorn und Ahmed El Abed mit „Zyzz“.
Zu diesem feierlichen Anlass und wegen des bevorstehenden Wechsels in die Oberstufe hatte gleich die gesamte Klasse ihre Abschlussfeier auf das Werftgelände verlegt und dazu neben den Eltern auch die Sponsoren zum Grillen eingeladen. Die Sparkasse Emden und der kommunale Präventionsrat hatten geholfen, dass die Bootsbauerin und Jugendprogramm-Leiterin Inka Petersen mit Unterstützung von Sozialarbeiter Joschka Leonhardt und Dieter Gimperlein (Schiffsbauingenieur im Ruhestand) das Pilotprojekt überhaupt auf die Beine stellen konnte. Das Mentoren-Team würde künftig gern auch weiteren Schülergruppen per Bootsbau-AG handwerkliche Fertigkeiten vermitteln und ganz nebenbei in Mathe auf die Sprünge helfen.
Gesägt, gemessen, gerechnet
Denn die Schüler haben nicht nur gesägt, den Hauptspant gebaut, die Planken am Steven befestigt und die Unterseite gehobelt, auch Winkelmessen und das Umrechnen von Zoll auf Zentimeter waren wichtig. Für das Mentoren-Team wiederum brachte der Projekttest Erkenntnisse, was man beim nächsten Mal besser machen kann. „Wir sind zum Beispiel am Anfang zu sehr ins Detail gegangen, daher mussten wir am Ende etwas auf die Tube drücken.“ Deshalb fehlt auch noch der Anstrich, den die Schüler aber selbstorganisiert in den Sommerferien nachholen wollen.
Förderantrag beim BAMF
Insgesamt aber ist Petersen zufrieden. „Wir haben jetzt zwei Boote vorzuzeigen.“ Weil aber bei den Schulen in Sachen Nachfolge-AG noch gekurbelt werden muss, hat der Arbeitskreis für historischen Schiffbau parallel einen Förderantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt. „Wir sehen das Bootsbau-Projekt nämlich als flankierende Maßnahme zu den Integrationskursen“, erläuterte Petersen. Die Teilnehmer könnten so ihr Deutsch anwenden, Anschluss finden und lernen, wie das Vereinsleben hier funktioniert.
Stapellauf per Hand: Hier kommt gerade „Manfred“ ins Wasser, „Zyss“ samt Erstbesatzung schwimmt schon. BILD: Gaby Wolf
Den Max-Schülern hat das Bootebauen schon mal gefallen. „Es war etwas total Neues und wir haben handwerklich viel gelernt“, sagte Jette Lehnert (16). „Es war schön, mal was Praktisches zu machen“, findet auch Freya Ulferts (16). „Und wir sind alle ziemlich stolz, denn das waren ja anfangs nur Platten aus Holz.“
Namensfindung
Die Freude über das Resultat war den Schülern auch bei der Stapellauf-Zeremonie anzumerken. Beide Boote wurden mit Taufkränzen geschmückt und erhielten feierlich ihre Namen, die demokratisch ausgewählt worden waren. Die Gruppe um „Team-Kapitänin“ Freya Ulferts von Boot A entschied sich für „Manfred“ (nach dem Poster-Maskottchen im Klassenzimmer, das die 10c seit der siebten Klasse begleitet hat). Ahmed El Abed taufte Boot B im Namen seiner Crew dagegen „Zyzz“ (nach einem schon verstorbenen russisch-australischen Kult-Bodybuilder aus dem Internet).
Mit vereinten Kräften: Vor dem Stapellauf mussten die beiden Ruderboote vom Typ Bevin’s Skiff erst einmal aus der oberen Werkstatt der Vereinswerft nach unten bugsiert werden. BILD: Gaby Wolf
Für das Taufwasser in Form von Sekt sorgte Klassenlehrerin Christine Brandt. Dann wurden die Boote zu Wasser getragen und zwei mutige Dreier-Teams wagten die Jungfernfahrt. Mit dem schon bekannten Ergebnis – „Manfred“ und „Zyzz“ schwimmen.
