Krummhörn - Die Situation um die Greetsieler Teestube „Poppingas Alte Bäckerei“ bekommt einen unangenehmen Nachgeschmack. Nach Informationen dieser Zeitung wollte die Gemeinde Krummhörn für 10.000 Euro altes Inventar der Teestube aufkaufen – zugunsten eines ehemaligen Krummhörner Politikers. Demnach entschieden Bürgermeisterin und Krummhörner Spitzenpolitiker im März im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss (VA), Teestuben-Betreiberin Inge Ysker-Cornelius und ihrem Mann Enno Cornelius (KLG) diese Summe anzubieten. Cornelius war nicht nur langjähriger Ratsherr, sondern in der vergangenen Wahlperiode auch stellvertretender Bürgermeister und Wahlkampf-Unterstützer der Bürgermeisterin.
1982 rief die Touristik der Gemeinde Krummhörn die Teestube in „Poppingas Alte Bäckerei“ ins Leben. Die Greetsieler Gastronomen sahen das Angebot mit gemischten Gefühlen. Es gab Kritik, dass hier staatlich finanzierte Konkurrenz aufgebaut werde.
Inge Ysker-Cornlius übernahm 1989 die Teestube per Pachtvertrag. Sie hatte bereits zuvor für die Touristik gearbeitet. Sie führte die Gastronomie bis zum 1. Februar 2021. Seitdem steht das Gebäude quasi leer.
Zu den Gästen des Lokals gehören diverse Berühmtheiten, unter anderem waren Thomas Gottschalk, Gerhard Schröder, Peter Maffay oder Henri Nannen zu Besuch.
Die Zukunft des Gebäudes ist unklar. Es gibt einen Verkaufsbeschluss, der aber nicht ausgeführt wurde, da die Politik sich umentschieden und eine Pachtmöglichkeit prüfen wollte.
Das Gebäudes sei aber trotz der Leckstelle nicht heruntergekommen, sagte Looden. Gemeinde und Ysker-Cornlius hätten Hand drauf gehalten.
Auf ihren Vorschlag soll auch die Summe zustande gekommen sein, die am 22. März noch mehrheitlich von der Krummhörner Politik beschlossen wurde. Dort votierten neben der Bürgermeisterin auch Vertreter von CDU, SWK und fbl für die Zahlung, SPD-Vertreter lehnten die Zahlung ab. Wesentlicher Grund für die Ablehnung waren die ungeklärten Besitzverhältnisse. Es herrscht seit Monaten hinter verschlossenen Türen eine Debatte über die Besitzverhältnisse von Stühlen, Tischen und Co. Die Touristik hatte die Teestube seinerzeit ins Leben gerufen und ausgestattet, bevor Ysker-Cornelius sie als Pächterin weiterführte und Teile des Inventars erneuerte. Es gibt allerdings keine Listen, mit denen sich konkret belegen lässt, was nun wem gehört. Nur vereinzelt herrscht Einigkeit zwischen Gemeinde und Ehepaar, etwa bei einer Außenmarkise, die Cornelius gehört.
Kommunalaufsicht eingeschaltet
Die ungeklärten Besitzverhältnisse waren der Grund, aus dem die Kommunalaufsicht des Landkreises Aurich den Deal gestoppt hätte, wenn das Ehepaar Cornelius auf die Offerte des Rathauses eingegangen wäre. Bei der Kommunalaufsicht war nach der VA-Sitzung Ende März eine schriftliche Beschwerde eingegangen, die sich mit dieser Entscheidung auseinandersetzte, bestätigte der Landkreis.
Kernkritik der Beschwerde war die Berechnung der Summe: Denn, wie Bürgermeisterin Hilke Looden im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, sei die Summe Pi mal Daumen berechnet worden. Dem Paar sei das Angebot allerdings zu gering gewesen, hätten Inge Ysker-Cornelius und ihr Mann Enno Anfang April mitgeteilt, so die Bürgermeisterin. Unklar bleibt, ob das Paar zu diesem Zeitpunkt bereits von der Beschwerde bei der Kommunalaufsicht wusste und deswegen prophylaktisch dem Kauf nicht einwilligte.
Bürgermeisterin sieht keine Gefälligkeitsentscheidung
Beteuert, keine Gefälligkeitsentscheidung getroffen zu haben: Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos). Bild: Archiv privat
Die Bürgermeisterin verwahrte sich jedenfalls gegen den Vorwurf, einem Wahlkampfunterstützer Geld zuschanzen zu wollen. „Es war keine Gefälligkeitsentscheidung“, sagte Looden. Ansonsten, argumentiert die Greetsielerin, hätte sie die Summe auch als „laufendes Geschäft der Verwaltung“ direkt zahlen können, ohne sich die Rückendeckung der Politik zu holen. Es sei viel mehr darum gegangen, endlich einen Schlussstrich unter diesem Thema zu ziehen, keinen langwierigen Rechtsstreit zu riskieren und sich zugleich nicht im Schlechten von der ehemaligen Betreiberin zu trennen. „Sie hat die Teestube ja mit sehr viel Herzblut geführt“, sagt Looden.
