Emden - Alles wird teurer: Energie, Kraftstoffe, Lebensmittel, Mieten, Baumaterial und vieles mehr. Die Inflationsrate liegt aktuell bei rund acht Prozent. Betroffen davon ist jeder. In einer Serie beleuchten wir das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln, heute aus der Sicht des Arbeitgeberverbandes für Ostfriesland und Papenburg.
Die Inflation trifft alle, Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Davon sind Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, und sein Stellvertreter Jörg Thoma überzeugt. „Wir sitzen alle in einem Boot“, bemüht Doden im Gespräch mit dieser Zeitung die gern verwendete maritime Metapher. Und auch Thoma hat aus Gesprächen mit Firmenvertretern herausgehört: „Die Unternehmen schauen mit Sorge auf die wachsende Inflation.“
Betriebe hart getroffen
Die Preissteigerungen reißen zurzeit nicht ab – und das in fast allen Bereichen des Konsums. In vielen Privathaushalten sei die Lage angespannt, sagt Thoma. Das könne auch den Arbeitgebern nicht gefallen. Und diese wiederum plagten sich seit Corona mit steigenden Rohstoffpreisen und der schwächelnden Material-Verfügbarkeit. Knappes Angebot, starke Nachfrage. Thoma: „Das trifft die Betriebe hart.“ Und Verbraucher bekommen das vielfach zu spüren, weil Arbeitsaufträge oft nur mit teils erheblicher Verzögerung ausgeführt werden können. Auf der anderen Seite fällt es manchen Betrieben zunehmend schwer, vernünftig zu kalkulieren. Das sei erst jüngst in einer Metallrunde Thema gewesen, sagt Johann Doden. Fast jede Woche müsse neu kalkuliert werden. „Die Probleme sind massiv spürbar“, sagt er und fasst das Dilemma so zusammen: „Unsicherheit in der Wirtschaft ist immer Mist.“
Verändertes Konsumverhalten
Hinzu kommt: Das Konsumverhalten während der Pandemie war zwei Jahre lang vergleichsweise lebhaft. Thoma verweist darauf, dass in dieser Phase viele Menschen investiert haben, Dinge angeschafft haben, die womöglich zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant waren. „Aber das schlägt jetzt um“, sagt Thoma mit Blick auf die Teuerungsrate, die die Kaufintensität merklich ausbremst.
Einige Unternehmen in Ostfriesland seien um eine Entlastung ihrer Beschäftigten bemüht. Tankgutscheine seien dafür ein Beispiel, für Thoma ein durchaus „geeignetes Mittel“. Aber auch Angebote zur Teilnahme an Firmenfitness, besondere Arbeitszeitmodelle, Betreuungsangebote für junge Mütter gibt es. All das ist aber ohnehin immer öfter Bestandteil von Stellenausschreibungen, denn – und das ist ein weiteres, existenzielles Problem, das viele Betriebe umtreibt: Der Mangel an Arbeitskräften fast aller Art lastet zusätzlich auf Unternehmen nahezu jeder Branche.
Für geringere Steuerlast
Und was kann getan werden, um die Folgen der Inflation so gut es geht zu minimieren? „Eine ziemlich platte Reaktion ist immer die Forderung nach steigenden Löhnen“, sagt Thoma. „Denn die wirkt auf Dauer und zieht eine weitere Verteuerung nach sich.“ Die beiden Arbeitgebervertreter machen sich stattdessen für „Einmalpakete“ stark. „Es wurden ja auch Corona-Boni gezahlt. Warum also nicht auch jetzt einmalige steuerfreie Boni gewähren?“, fragt Doden. Zudem sollte der Gesetzgeber endlich darüber nachdenken, die „ohnehin zu hohe Steuerlast zu senken, damit mehr beim Arbeitnehmer übrigbleibt.“ Das sieht auch Thoma so: „An dieses Thema sollte man generell rangehen.“ So etwas sei ja auch zeitlich begrenzt möglich. „Andernfalls bringt diese Situation viele Arbeitnehmer in Gefahr“, warnt Thoma.
