Emden - Manchmal sind es die kleinen Dinge, die Größeres in Bewegung setzen - oder zum Erliegen bringen. Nägel zum Beispiel. Genauer: Konvexringnägel für Euro-Paletten. Die kommen, besser: kamen größtenteils aus russischer Fertigung. Eines von unzähligen Beispielen dafür, wie der Ukraine-Krieg Teile der Wirtschaft, in diesem Fall die Logistik-Branche, auszubremsen droht. Frank Wessels, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes für Ostfriesland und Papenburg, skizzierte damit am Montag exemplarisch die Kriegsauswirkungen auf Lieferketten für einzelne Unternehmen.

Auf der Jahrespressekonferenz der Interessenvertretung für über 500 Firmen aus Industrie, Handel, Dienstleistung und Gewerbe standen der Ukraine-Krieg und die Corona-Krise im Mittelpunkt. „Je länger der Krieg dauert, desto kritischer wird die Situation. Und es wird Einschnitte geben, auch im privaten Bereich“, stellte Hauptgeschäftsführer Johann Doden fest. Massive Preissteigerungen belasteten Betriebe und Privathaushalte gleichermaßen. Vielfach unbekannt sei, dass auch in Ostfriesland Asow-Stahl aus der Ukraine verarbeitet wird. Das Asow-Stahlwerk in Mariupol ist seit Wochen schwer umkämpft. Der Stahlpreis sei um das Drei- bis Dreieinhalbfache gestiegen. Doden: „Angebote sind teilweise nicht mehr vernünftig kalkulierbar.“

Aber nicht nur der Krieg, sondern auch die Pandemie wirke sich weiterhin belastend auf viele Unternehmen aus, beobachten Doden und Wessels. Lieferketten sind zum Teil auch gekappt, weil unter anderem vor Shanghai und Singapur Hunderte Schiffe auf Reede liegen - bedingt durch die rigide Null-Covid-Politik in China, wie Frank Wessels anmerkte. Krieg und Pandemie schafften ein „außergewöhnlich schwieriges Konjunkturumfeld“, unterstrich Doden.

Das Thema Corona hat den Arbeitgeberverband in den vergangenen zwei Jahren stark in Anspruch genommen. Doden: „Die Firmen haben uns mit Fragen überhäuft.“ Dies vor allem im Zusammenhang mit den immer wieder neuen vom Land erlassenen Corona-Regelungen. „Corona ist noch nicht vorbei. Und ich frage mich: Sind wir auf die siebte oder achte Welle im Herbst vorbereitet?“ Mittlerweile habe es 85 Änderungen zu den Corona-Verordnungen gegeben. Ein Umstand, den der Verband kritisch bewertet. Entsprechend fordert er „mehr Stringenz von der Politik“, und Doden fragt: „Was werden wir an verlässlichen Regelungen bekommen?“ Immerhin, eine gute Nachricht gibt es: Insolvenzen durch Corona seien fast kein Thema gewesen, sagte Doden. Frank Wessels ergänzte: „Kurzarbeit und Überbrückungshilfen waren sehr hilfreich.“

Krisen böten auch Chancen, befand Johann Doden. So lautet denn der Appell des Verbands an die Lands- und Bundespolitik, das Thema Bürokratie endlich anzugehen. Man müsse dahin kommen, dass Projekte wie die Emsfahrrinnen-Anpassung oder eine zweite Eisenbahnbrücke über den Alten Binnenhafen schneller realisiert werden. Doden: „Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, dürfen wir uns nicht mehr am x-ten Gutachten festhalten.“