Emden - Auf dem Rysumer Nacken soll sich endlich etwas in puncto Industrieansiedlung tun. Energieknappheit und Energiewende sind dabei die treibenden Kräfte. Diese Entwicklung beschäftigt nicht nur die Deichacht Krummhörn, sondern treibt auch den 1. Entwässerungsverband Emden um. Unter Umständen muss für den westlichen Zipfel Emdens die Entwässerung des Gebietes neu geregelt werden. Das sagte Obersielrichter Reinhard Behrends auf der jüngsten Vorstands- und Ausschusssitzung des Verbandes.

Ab Mitte der 1950er Jahre diente das Gebiet auf dem Rysumer Nacken als Deponie für Baggergut.

INDUSTRIE IN EMDEN Erst soll der Deich nach vorn – dann soll sich die Wirtschaft ansiedeln

Ute Lipperheide
Emden

Bevor sich auf dem großen als Industriegebiet ausgewiesenen Gelände Unternehmen ansiedeln, muss der Hochwasserschutz gesichert sein (wir berichteten). Das ist aber – langfristig betrachtet – noch nicht der Fall. Behrends berichtete, dass das Gelände, auf dem das norwegische Unternehmen Gassco das hier angelandete Gas weiterleitet, schon einmal überflutet wurde, es dabei aber nicht zu nennenswerten Schäden gekommen sei. Doch die Prognosen hinsichtlich des steigenden Meeresspiegels lassen für die Zukunft Schlimmeres befürchten und zwingen zum Handeln. In den vergangenen rund 12.000 Jahren sei der Meeresspiegel „zeitweilig um mehr als einen Meter pro Jahrhundert“ angestiegen, erläuterte Verbandsingenieur Jan van Dyk. Sein heutiges Niveau habe der Meeresspiegel vor etwa 2000 Jahren erreicht.

Ursprünglich ist der Rysumer Nacken (der trotz seines Namens zur Gemarkung Wybelsum gehört) als Hochplateau aufgespült worden und galt deshalb lange Zeit als hochwassergeschützt. Der größte Teil des Geländes liegt rund fünf Meter höher als die Umgebung. Die Hauptdeichlinie verläuft derzeit buchstäblich im Rücken des Nackens, also auch hinter dem weitläufigen Gassco-Areal. Einen Deich direkt am Wasser gibt es nicht. Noch nicht. Die Gedankenspiele der Deichacht aber schließen ein solches Küstenschutzbauwerk durchaus mit ein.

Und hier käme dann auch der Entwässerungsverband ins Spiel, denn durch die Eindeichung würde der Bereich hinter dem Deich automatisch Verbandsgebiet. Dann wäre im Hinblick auf mögliche Betriebsansiedlungen unter anderem zu prüfen, ob eine Pumpstation gebaut werden müsste, sagte van Dyk. Zurzeit wird die Fläche über ein Rohrsystem und Pumpen bei Ebbe entwässert. „Eine einfache Idee, die auch funktioniert“, sagte Obersielrichter Behrends. Würde aber ein Deich direkt an der Ems errichtet, läge der Rysumer Nacken im Binnenland. „Dann müssten wir einen neuen Oberflächenentwässerungsplan entwickeln“, sagte Behrends. In Stein gemeißelt sei zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts, betonte Jan van Dyk.

Axel Milkert
Axel Milkert Emder Zeitung (Leitung)