Emden - Im Gegensatz zu den Befürchtungen seit Pandemie-Zeiten, scheint die Zahl der Schulabbrecher in Emden momentan keine dramatische Entwicklung zu nehmen. „Die Zahlen sind recht gleichbleibend“, sagte der Leiter des Fachdienstes Schule und Sport, Michael Groeneveld, im jüngsten Schulausschuss. Dort hatte die CDU-Fraktion um ein Bild der Lage gebeten.
Nach dem von Groeneveld vorgelegten Tableau gingen im letzten Jahr insgesamt 18 junge Menschen ohne Abschluss von der Schule ab. Im ersten Corona-Jahr 2020 waren es noch 44, 2019 dafür nur 24. In den Jahren 2015 bis 2018 bewegten sich die Zahlen stabil im Bereich um die 30.
2020 Ausschlag nach oben
Der deutlich überwiegende Teil aber beendete die Schule mit einem Abschluss. Im Jahr 2021 taten dies 507 junge Frauen und Männer. Damit betrug der Anteil der Schulabbrecher lediglich 3,6 Prozent. In den Jahren 2015 bis 2019 pendelte der Anteil zwischen 4,8 (2016 und 2019) und 6,1 Prozent (2018). Im Jahr 2020 gab es dagegen mit 11,8 Prozent einen ziemlichen Ausschlag nach oben – allerdings nicht nur wegen der 44 Abbrecher, sondern auch, weil es durch die Rückkehr zum Abitur in Klasse 13 in jenem Jahr insgesamt weniger Schulabgänger gab.
Die 24 der 44 Betroffenen waren dabei Oberschüler, 17 brachen an der Integrierten Gesamtschule (IGS) ab, drei an der Förderschule. Die 18 Abbrüche vom vorigen Jahr (2021) dagegen verteilten sich zu zwei Dritteln auf die drei Oberschulen (zwölf Abbrecher) und zu einem Drittel auf die IGS (sechs). Auch in den Jahren davor waren die meisten Abbrecher oft Oberschüler. Lediglich einmal führte die IGS das Feld an – 2018 mit 15 Abbrechern.
Zweite Chance für Abschluss
Erfreulich dabei: Die Emder Zahlen blieben in der Regel unter dem Landesdurchschnitt, im Jahr 2019 mit 4,8 Prozent gar um satte zwei Prozentpunkte (Land: 6,8 Prozent). Außerdem gab Groeneveld zu bedenken: „Wenn man die Schule ohne Abschluss verlässt, heißt das nicht, dass man ein Leben lang ohne Abschluss bleibt.“ Emden verzeichne einen hohen Anteil an Schülern, denen an den Berufsbildenden Schulen noch ein Abschluss ermöglicht werde. „Das versuchen wir, künftig mit in die Statistik aufzunehmen.“
Dass die Stadt jedoch auch einiges unternimmt, um Schulabbrüche zu verhindern und Schwänzer aufzufangen (zum Teil über werkstatt-basierte Maßnahmen zur Schulpflichterfüllung), machte Sozialpädagoge Bas Reinecke vom Jugendbüro in der Alten Post deutlich. Im Kalenderjahr 2021 seien über das einheitliche Meldesystem 97 säumige Schüler von den Schulen gemeldet worden, ein Anteil von 1,62 Prozent an der Gesamtschülerzahl. Im Jahr zuvor (2020) waren es 119 (zwei Prozent). Über die Projekte „Jugend Stärken im Quartier“ und „Pro-Aktiv-Center“ habe in den letzten Jahren einiges an Strafen (Bußgeld bis Jugendarrest) abgewendet werden können. Allerdings wurden diese durch den Europäischen Sozialfonds geförderten Programme zum 30. Juni beendet. Anträge auf neue seien aber gestellt.
Schulausschuss-Vorsitzende Doris Kruse (SPD) bescheinigte dem Jugendbüro „eine gute Arbeit“, auch wenn es schön wäre, wenn es diese Hilfe gar nicht erst geben müsste. Grünen-Ratsherr Christian Nützel, der selbst Lehrer ist, lobte, wie intensiv man sich in Emden mit den Problemen von Kindern und Jugendlichen auseinandersetze. Das sei nicht in allen Kommunen so.
