Emden - Die schlimmsten Corona-Jahre scheinen hinter dem Im- und Export von Fahrzeugen über den Emder Hafen zu liegen. Erstmals steigen die Umschlagszahlen nun wieder an. 2022 hat es die Autoport GmbH erreicht, unter dessen Dach die Unternehmen Anker Schifffahrt, EVAG und VW-Konzernlogistik firmieren, wieder die magische Millionengrenze zu durchbrechen. Und das sogar recht solide: Mit 1.104.922 Fahrzeugen zum Stichtag 30. Dezember zeigte sich Autoport-Geschäftsführer Manfred de Vries im Gespräch mit dieser Zeitung „froh, dass wir das trotz aller Widrigkeiten geschafft haben.“ Zum Vergleich: 2021 gab es mit 981.520 Fahrzeuge einen herben Knick in der Bilanz, und auch 2020 war die Millionengrenze mit 1.062.000 gerade mal überschritten worden.
Mangel an Material und Personal
Tatsächlich sind die aus der Pandemie-Zeit entstandenen Schwierigkeiten aber noch längst nicht überwunden. Noch immer besteht ein Mangel an bestimmten Materialien im Fahrzeugbau, insbesondere an Halbleitern. Vor allem aber drückt der Mangel an Personal auf die Umschlagszahlen. Beides werde die Arbeit im Emder Hafen auch im kommenden Jahr weiter begleiten, wie de Vries deutlich machte. „Wir wissen einfach nicht, wo das Personal seit Corona geblieben ist.“
Ob Emden weiterhin Platz 3 der wichtigsten Häfen für Fahrzeuge nach denen in Bremerhaven und Zeebrügge hält, muss sich noch zeigen. Noch sind nicht alle Zahlen für 2022 bekannt, allerdings hat Bremerhaven schon erhebliche Verluste gemeldet. Gegenüber dem Konkurrenzhafen Antwerpen für den dritten Platz ist Autoport-Geschäftsführer Manfred de Vries allerdings zuversichtlich. Und das liegt an der folgenden Bilanz 2022 in Emden:
Die Gesamtzahl Autoumschlag beträgt 1.104922 - das ist ein Plus von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Verladen wurden Fahrzeuge aus 155.000 Bahnwaggons, im Schnitt 300 bis 350 täglich über den Außenhafen, binnenseits nochmal 60 bis 80 Waggons. Das ist ein Plus von 42 Prozent.
Lkw-Eingänge wurden übers Jahr 40.000 gezählt, etwa 50 am Tag, eine Steigerung von 20 Prozent gegenüber 2021 mit 33.000 Ladungen per Lkw.
Beim Import gibt es ein Plus von 16 Prozent (von 294.000 auf 341.000 Autos). Ausschlaggebend sind 18.000 Fahrzeuge mehr aus Mexiko, 10.000 aus Spanien und 10.000 aus Südafrika.
Beim Export sind es elf Prozent mehr (von 687.500 auf 763.500). Das Geschäft mit Großbritannien hat nach der Brexit-Delle wieder angezogen. 2022 stieg die Zahl auf 313.000, ein Plus von 25.000 Autos. Ins Gewicht fällt auch das Plus von 15.000 Autos nach Nordamerika/Mexiko.
Umgeschlagen werden zu 99 Prozent Fahrzeuge aus der VW-Familie. Darunter 40 Prozent Volkswagen, 34 Prozent Audi und zehn Prozent Porsche.
Der Anteil der E-Fahrzeuge ist mit 365.000 leicht von 30 auf 33 Prozent gestiegen.
Das beträfe nicht nur Emden, sondern die Logistikbranche weltweit, erklärte Sven Besecke von der Volkswagen-Konzernlogistik, der sogar von einer „Transportkrise“ spricht. So nannte er den Fahrermangel beim Lkw-Transport – viele Fahrer aus der Ukraine fehlen - der Arbeitskräftemangel ziehe sich aber durch alle Logistik-Sparten auch bei der Bahn oder eben in der Schifffahrt.
Dank an die Mitarbeiter
Vor diesem Hintergrund spricht de Vries von „großem Glück“ der eigenen Mitarbeiterschaft, die im ablaufenden Jahr den Autoport-Firmen „die Stange gehalten haben“. Fast jeden Sonntag und an allen Feiertagen sei gearbeitet worden. Ihnen sei zu verdanken, dass in Emden – anders als an anderen Hafenstandorten – das Schiff in der Regel keine sieben Tage liegt.
Optimistische Aussichten
Für das kommende Jahr sieht de Vries weiteres Potenzial. 1,2 bis 1,5 Millionen Fahrzeuge, die über die Emder Kaikante verladen werden, seien durchaus im Bereich des Realistischen. Langfristig auch 1,6 Millionen. „Dazu müssen wir aber alle die Ärmel hochkrempeln und die Sache angehen“, sagte de Vries, der seit acht Jahren als Geschäftsführer von Autoport dieselben Wachstumshindernisse in Emden anspricht. Darunter der fehlende Großschiffsliegeplatz, eine Fahrrinnenanpassung und die marode Eisenbahnklappbrücke. „Ich glaube sicher, dass sich Emden weiterentwickelt. Man muss es bloß mit den richtigen Infrastrukturmaßnahmen flankieren“, sagte de Vries. „Das maßgebende Tempo dazu ist das LNG-Terminal in Wilhelmshaven.“
