Emden - Das letzte Stündlein des Barenburger Sportheimes hat geschlagen: Am Montag wurde mit dem Entkernen des Gebäudes begonnen – die erste Phase des rund 25 000 Euro teuren Abbruchs. Handwerker des Krummhörner Unternehmens Harm Rewerts zerlegen und sortieren zunächst den Innenausbau – Rigipsplatten, Holz, Kunststoffe und Metalle werden getrennt entsorgt. Anschließend greift der Bagger ins Geschehen sein. Dann ist auch von außen zu sehen, dass der Abschied von dem ebenso markanten wie maroden Gebäude nahe ist.
Dass das Gebäude keine Zukunft mehr hat, steht seit dem 9. März dieses Jahres fest. An diesem Tag hatte sich der Sportausschuss des Emder Rates mit 7:1 Stimmen für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Abbruch ausgesprochen. Nur die Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Emden“ (GfE) hatte sich gegen die Beseitigung des erheblich sanierungsbedürftigen Bauwerks ausgesprochen. Fünf Tage später wurde das Schicksal des großzügig verglasten Hauses erwartungsgemäß vom Verwaltungsausschuss besiegelt. Er hatte in dieser Angelegenheit das letzte Wort.
Hohe Sanierungskosten
Schwer fällt der Abschied nicht – zumindest nicht der Stadtverwaltung und auch nicht dem Emder Sport in seiner Gesamtheit. So begründete Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) den Antrag der Stadtverwaltung Anfang März mit den zu erwartenden hohen Sanierungskosten. Von mindestens 350 000 Euro war zuletzt die Rede. Der Stadtsportbund-Vorsitzende Peter Bartsch unterstützte diese Position in der Sitzung ausdrücklich: Es gebe keine „anderweitige Nutzung“, eine Instandsetzung rechne sich wirtschaftlich nicht. Deshalb sei ein Abriss des Gebäudes auch aus Sicht des Stadtsportbundes die einzige noch gängige Maßnahme, heißt es im Sitzungsprotokoll.
Dass sich der Verein KSV Union Barenburg für das Vereinsheim interessierte, das einst für den Post SV Emden gebaut worden war, verschwieg Peter Bartsch nicht. Aber: Der Verein sei nicht Mitglied im Stadtsportbund – er selbst wisse daher nicht, „ob der Verein noch existiere“.
Tatsächlich hatte der Ende 2019 gegründete KSV zu diesem Zeitpunkt seine Auflösung zumindest angekündigt. Schon im Oktober 2021 hatte der 1. Vorsitzende des KSV, Till-Oliver Becker, das Scheitern des Vereins eingeräumt und die Löschung aus dem Vereinsregister angekündigt. Damit waren auch die ehrgeizigen Pläne vom Tisch, in denen das Sportgelände und das Heim eine tragende Rolle spielten.
Mit Wehmut
Ein Beschluss der Mitgliederversammlung zur Auflösung des Vereins liege vor, so Becker im Oktober. Holger Davids-Giesenberg, 3. stellvertretender Vorsitzender, widersprach dieser Darstellung wenig später. Tatsächlich war der Verein im Vereinsregister des Amtsgerichts Aurich am Montag immer noch verzeichnet. Allerdings dauert es von der Beantragung von Eintragungen und Löschungen bis zur entsprechenden Aktualisierung des Registers durch das Gericht gelegentlich längere Zeit.
Mit Wehmut werden ehemalige Mitglieder des Post SV Emden den Abbruch des Gebäudes beobachten. Sie können sich an Zeiten erinnern, in denen die gesamte Anlage in hervorragendem Zustand war. Auch zu Zeiten von Blau-Gelb Barenburg – so hieß der Verein, nach dem sich die Post zurückgezogen hatte – konnte sich die Immobilie noch sehen lassen. Nachdem Blau-Gelb mit Kickers Emden zusammengegangen und praktisch von der Bildfläche verschwunden war, setzte allerdings eine dramatische Verschlechterung ein. Bis der Barenburger Sportverein Kickers Emden am 1. November eine verwahrloste Anlage an die Stadt zurückgab. Die Stadtverwaltung bemerkte dazu: „... auf Grund von Pflegeunterlassung sind die Sportplätze nun nicht mehr nutzbar.“
